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Beleidiger und Beleidigte

betr.: „Trittin empört Union“, taz vom 14. 3. 01

Als der Völkerverständigung verschriebener Publizist stelle ich immer wieder fest, wie fremdenfeindlich die Politiker sind.

So gesehen hat Herr Trittin die Wahrheit gut getroffen. Es fragt sich nur, warum die Grünen immer so schön reden und die CDU so treffend kritisieren, in der Praxis aber unfähig sind, etwas besser zu machen als die anderen bürgerlichen Parteien.

GEREON JANZING, Freiburg

Ach, wie tut er uns leid, dieser arme Herr Meyer. Hat er noch nie etwas davon gehört: Wer austeilt, muss auch einstecken können? Gott, was ist er wehleidig. Wenn’s ihm und seinen Spießgesellen doch wenigstens eine Lehre wäre. Verständnis für die zu haben, die sie zuerst „keulten“? KLAUS SOMMER, Rosdorf

[...] Es ist anscheinend ein Ziel der CDU/CSU, faschistische Sprüche nach der Anti-Rassismus-Welle wieder salonfähig zu machen. Und wenn sich die Unionsparteien darüber aufregen, dass es eine persönliche Beleidigung sei, so muss auch die Frage erlaubt sein, ob nicht auch das Fahndungsplakat oder das nette Spielchen auf der Homepage der Jungen Union eine persönliche Beleidigung darstellt. Vielmehr fragwürdig finde ich an Jürgen Trittin zwei Punkte:

Erstens dass er sich überhaupt auf ein solches Niveau herablässt, mit denselben Mitteln zu arbeiten wie die Union, und zweitens dass er als politisch gebildeter Mensch nicht dazu fähig ist, zwischen Neonazis und Skinheads zu differenzieren. Die Skinheadbewegung entstand in englischen Arbeitervierteln und war zuerst eine unpolitische Bewegung und wurde dann links. Das Ganze wurde erst in der Nazi-typischen Methode der Übernahme von Bestandteilen anderer Bewegungen zu einem Symbol der Neonazis. Und auch jetzt gibt es noch genügend linke Skins, die mit solchen Bemerkungen mit den Faschisten in einen Topf geworfen werden. BERTOLT GRAICHEN, Obing

Eberhard Seidel stellt in seinem Kommentar sehr richtig heraus, dass in den vergangenen 20 Jahren immer wieder Äußerungen aus der CDU zu hören waren, die einem Klima des Rechtsradikalismus Vorschub geleistet haben, weil sie sich allenfalls in der Art der Formulierung von rechtsradikalen Parolen unterschieden. Er hätte aber an Trittin kritisieren müssen, dass Trittin mit der Art und Weise seiner Äußerung der CDU die Möglichkeit gegeben hat, an Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Hätte Trittin sich mehr dieser Äußerungen und weniger der Person Laurenz Meyers angenommen, müsste er jetzt nicht diesen peinlichen Rückzieher machen. ROLAND REIMERS, Gießen

betr.: „Schröder schrubbt Arbeitslose“, „Unverzeihlicher Populismus“, taz vom 14. 3. 01

[...] Die „Randgruppen“, an denen sich wahlkämpfende Politiker als Macher und Durchgreifer profilieren können, sterben allmählich aus. Da dürfen Schröder und Co. nicht wählerisch sein – und die betroffenen Minderheiten nicht zu empfindlich. Schließlich leben wir in einem Land, in dem es erlaubt ist, ausländische Flüchtlinge als Scheinasylanten und Arbeitslose als Sozialschmarotzer zu titulieren, aber nicht einen CDU-Generalsekretär als Skinhead. UWE TÜNNERMANN, Lemgo

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