: Schweizer Mandarinenmentalität
betr.: „Kleine Morde unter Eidgenossen“, taz vom 28. 4. 01
Anzumerken wäre noch, dass die Schweiz durch den Ausstieg aus der Tatort-Reihe den letzten verbliebenen Koproduktionsstrang auf TV-Ebene mit Deutschland gekappt hat. Stattdessen werden jetzt pro Jahr fünf Dialektproduktionen hergestellt. Rückkehr zur Insel der Seligen.
Der Zusammenhang zwischen den frei werdenden Mitteln und den neuen TV-Filmen, der vom Fernsehen hierbei gerne hergestellt wird, ist aber nur ein scheinbarer. Das SF DRS verfügt über genügend Finanzen, neben einem (!) Tatort pro Jahr (Kosten ca. 2 Mio. sFr.) fünf unterfinanzierte Dialektfilme zu produzieren. Doch die Mittel werden in den Aus- und Umbau der Verwaltung (alle Jahre wieder) und in die jährliche Bildung von Rücklagen in zweistelliger Millionenhöhe gesteckt, anstatt dem Sendeauftrag und der Verpflichtung, das heimische Filmschaffen zu fördern, nachzukommen. Der eigentliche Skandal ist, dass durch diese „Mandarinenmentalität“ das vom Fernsehen abhängige schweizerische Filmschaffen, dessen Förderung definierte Aufgabe des Schweizer Fernsehens ist, weitestgehend am Boden liegt.
Dass jetzt die Dialektfilme qualitativ überwiegend hochstehend sind, hängt nicht mit der „großzügigen“ Finanzierung durch das SF DRS (insgesamt 4 Mio. Franken für 5 Filme!) zusammen, sondern mit der Selbstausbeutung einer jungen nachwachsenden Filmergeneration, die die Chance, die sie nicht hat, mutig nutzt. Leider tauchen in regelmäßigen Intervallen immer wieder junge engagierte Filmer auf, die ihren Debütfilm machen können, vielleicht noch ein Nachfolgewerk finanziert kriegen, dann aber von den Mühlen des Fernsehens und der Förderanstalten zermürbt aufgeben. Ihnen bleibt nur der Exodus ins benachbarte Ausland oder in die Werbewirtschaft, wo die Arbeitsbedingungen zeitgemäßer und professioneller sind. Es steht zu befürchten, dass es dieser Generation ähnlich ergehen wird, wenn dieses reiche Land weiterhin nicht bereit ist, dem heimischen Filmschaffen die nötige finanzielle Ausstattung zur Verfügung zu stellen, und das Fernsehen als größter (sic!) Auftraggeber weiterhin seiner Aufgabe nicht nachkommt. Hierbei geht man nationaler Identität verlustig. Nicht durch eine weltoffene Zusammenarbeit mit dem „großen Kanton“ Deutschland. LASZLO I. KISH, Köln
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