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Betr.: „Ein Schiff wird kommen“, taz hamburg , vom 03.07.01
Ohne Krieg
Wenn Kinder einlaufende Kriegsschiffe wie den Zerstörer der Bundesmarine „Mölders“ begrüßen, dann ist das ein Signal, das nachdenklich stimmen sollte. Wenn sich diese Kinder aus eigenem Antrieb entscheiden, den Zerstörer zwar anzuschauen, aber nicht zu begrüßen, dann ist das ein Fanal, das das bei Erwachsenen beliebte Denken in idelogischen Schubladen konterkariert. - Wa-rum? Nun, weil die Kinder, die sich das Kriegsschiff anschauen, ihre Augen nicht vor der Realität verschließen, in der es nun einmal - leider - Kriegsgerät gibt. Kinder leiden besonders unter bewaffneten Konflikten.
Die Geste der Kinder, das Kriegsschiff und seine Besatzung (unter der viele Väter und sicherlich auch Mütter sind) „nur“ anzuschauen, ohne Fähnchen zu schwenken, kann deshalb als doppelte Mahnung angesehen werden. Sie könnte lauten „Wir hassen Krieg und Gewalt, weil wir Kinder mehr als alle anderen darunter leiden, aber am wenigsten für die Fehler der Erwachsenen können, die zum Ausbruch von Kriegen führen. Wir erkennen aber an, dass Kriegsgerät dazu eingesetzt werden kann, Kinder zu schützen. Unsere Hoffnung ist eine Welt ohne Krieg. Unser Anspruch ist ein geschütztes und lebenswertes Leben.“
Das Verhalten der Kinder zwingt jene, die Waffen einsetzen und bedienen, Politiker und Soldaten, ihr eigenes Selbstverständnis zu überprüfen und kritisch zu hinterfragen. Ich empfinde das als faire Geste, weil die Kinder niemanden vorverurteilen. Mancher auf Wahlkampfparolen schielender Politiker kann sich davon eine große Scheibe abschneiden. Für die Eltern an Bord der „Mölders“ kann es keinen schlimmeren Gedanken geben, als Kindern keinen Schutz bieten zu können. Roland Bösker,
B.A. Hauptmann der Reserve
Blumengruß
Der taz vielen Dank für die Aufklärung über den Nazi-Namensgeber des Bundeskriegsschiffs Mölders. Blankeneser Katholikenkinder dürfen, wie Sie ebenfalls berichten, das Nazi-Bundesschiff mit Blumen begrüßen, weil es zu einem Verfassungsorgan, der Bundeswehr gehört.
Nicht verraten wird den Kindern, daß der Leiter dieses Verfassungsorgans, Rudolf Scharping, und sein Chef, Gerhard Schröder, wegen der Führung eines Angriffskriegs als Kriegsverbrecher rechtskräftig zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt sind - allerdings weder von einem Nazi- noch einem Bundesgericht, sondern einem jugoslawischen. Aber die Richter in Jugoslawien sind ja nicht einmal Katholiken - geschweige denn Nazis.
Thomas Immanuel Steinberg
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