: noch 119 tage bis zum euro
taz-Serie über unser neues Geld
1. 1. 2002. Null Uhr. Ab jetzt müssen Tankstellenbetreiber, Taxifahrer und Gastwirte Euro als Wechselgeld herausgeben. Die Befürchtung, in der Neujahrsnacht mit dem Andrang nicht fertig zu werden, ist bei ihnen groß. Und auch viele Ladeninhaber fürchten, in den ersten beiden Monaten des Jahres, in denen noch mit Mark bezahlt werden darf, die KassiererInnen jedoch Euro herausgeben müssen, als Wechselstube benutzt zu werden.
Dennoch sind die Einzelhändler bei der Bestellung von Euromünzen sehr zurückhaltend. Nur jeder dritte will schon vor Dezember Euro lagern. Lediglich große Firmen, wie zum Beispiel das Berliner KaDeWe oder auch Supermarktketten, lassen sich schon jetzt von Banken mit Euro beliefern.
Der Grund für das Zögern der Einzelhändler ist klar: Schließlich muss das neue Geld noch bis 1. Januar gelagert und vor Dieben geschützt werden. Die hohe Versicherungsumme dafür können sich viele aber gar nicht leisten. Das KaDeWe dagegen kann sich freuen: Beim Bau des Kaufhauses 1907 entstand im Keller ein rießiger Tresorraum, der für eine Bank vorgesehen war. Hier können nun in Holzkisten verpackte Euromünzen gelagert werden, die so schwer sind wie 52 Kleinwagen.
Der Einzelhandel wirft den Banken aber auch vor, dass sie den Bonus, den sie von der Bundesbank für eine frühzeitige Abnahme von Euronoten erhalten, nicht an die Händler weitergeben. Wütend reagierte am Samstag der Geschäftsführer des Hauptverbandes des Einzelhandels, Holger Wenzel, auf den jüngsten Einfall der Banken, mit dem Umtausch Geld zu verdienen. Die Forderung, die Händler sollten für die ihnen jetzt zur Verfügung gestellten Euros Zinsen zahlen, sei „völlig überflüssig und nicht begreifbar“. Übrigens: Den Transport von den Banken zu ihren Läden will die Mehrheit der Einzelhändler selbst übernehmen. Aus finanziellen Gründen. HER
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