: Es reicht, du Plockwurst des Sports!
Der Wintersport – die letzte Geißel der Menschheit. Eine endgültige Warnung an ein widerwärtiges Wesen
Dir, Wintersport, sei es hiermit ein für alle Mal gesagt: Du bist ein elendiger Drecksack. Ein verbogener und verdrehter und verdrückter Zeitgenosse, der nichts, aber auch rein gar nichts zu bieten hat als herzlose Kälte. Du, Wintersport, bist das widerwärtigste aller Wesen. Deine Geschöpfe sind bettpfannendumme Gesellen. Ihr Treiben ist von abgrundtiefer Bosheit. Ihr Aussehen von strangulierender Hässlichkeit. Du aber, uneinsichtiger Wintersport, belästigst und bedrängst uns seit Tagen und Wochen, ja eigentlich seit Beginn des Winters mit allerlei deiner finsteren Figuren: Anni und Hanni, Uschi und Sven, Schorsch und Ricco. Skijäger und Schanzenflieger, Kufenstuten und Stockhengste, Schlittenhunde und Schneehasen. Ist der Mensch dafür geboren, mit Brettern unter den Füßen von einer schrägen Wand hinab in ein Tal zu fahren? Müssen Menschen sich Eisenstäbe unter die Füße schnallen, um über widerlich glatte Flächen zu schliddern? Muss man unschuldige und frierende Zielscheiben mit Schießprügeln umnieten? Sicher nicht, Wintersport! Doch dir, du Plockwurst des Sports, dir ist alles egal. Schießen, Schliddern, Skibretteln … Du machst weiter, immer weiter, – bis zur totalen Besinnungslosigkeit.
Es reicht! Gibt es nicht angenehme und schön anzuschauende Sportarten? Die im Warmen ausgeführt werden? Und mit einem Ball betrieben werden? Jenem verehrungswürdigen Objekt, das die größte kulturelle Leistung darstellt, die der Mensch je hervorgeacht hat? Doch du, naseneitergefüllter Wintersport, lässt deine behelmten und vermummten Figuren Knüppel schwingen. Mit vereisten Zahnreihen fuhrwerken sie auf nebelverhangenen Bergen herum, dass uns ein Zittern überkommt bei so viel unverfrorener Schamlosigkeit. Keine Herzenswärme nicht ist in deinem Treiben zu spüren, du Wintersport unter den Wintersporten.
Und alles wird noch schlimmer, viel schlimmer. Deine Hochzeit naht und droht und nagt an uns, die wir uns nicht schützen können: Olympische Winterspiele. Den ganzen Tag, irrer Wintersport, wirst du uns peinigen, uns quälen mit dem Grauen in Schnee und Eis. Deine Teufel mit ihren 320 Zähnen im Mund werden uns verhöhnen, wie fei fesch es sei zwischen all den frischen und weißen Flocken fix, flugs und flink umherzujagen, dass es nur so eine Art hat. Und du, Wintersport, du quadratblöder Katarrh, reibst dir die behandschuhten Hände vor Lust an der Fitness oder Wellness oder was auch immer – egal, hau weg den Scheiß.
Dich, schleimheimeliger Wintersport, verwarnen wir deshalb hier zum allerletzten Mal. Schluss jetzt! Schleich dich! Du Geißel der Menschheit! Verschwinde zurück in dein kaltes Höllennest. Und solltest du, alter Rotzkracher, es im nächsten Winter noch einmal versuchen, dann setzt es was aufr die bepelzten Hörner. Hast du, Wintersport, das jetzt endlich verstanden? Ja? Na also, es geht doch auch im Guten. MICHAEL RINGEL
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