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Reinste Volksverdummung

betr.: „Pädagogik für Unberührbare“ (Bildungsministerin Schavan wirbt für erzreaktionäre Bildungspolitik), Kommentar von Christian Füller, taz vom 14. 6. 02

Die baden-württembergische Kultusministerin Schavan tut gerade so, als sei die von ihr propagierte Schulpolitik – die Unterteilung in Sonder-, Haupt-, Real- und Gymnasiumsschüler – das Allerbeste. Dabei ignoriert sie in ihrer Überheblichkeit, dass Finnland in der Pisa-Studie Platz 1 im internationalen Vergleich hat. Niedersachsen äfft ihre Schulpolitik nach und Bayern fühlt sich als bildungspolitisches Königreich.

Dabei haben die Politiker rein gar nichts aus der Pisa-Studie gelernt, sonst würden sie endlich Schluss damit machen, die SchülerInnen nach dem preußischen System des 18. Jahrhunderts zu sortieren. Die Sonderschule wird jetzt als „Förderstufe“ verkauft, und dies ist reinste Volksverdummung! Was wir wirklich brauchen, sind Gesamtschulen, die niemanden aussortieren und in denen die Kinder voneinander lernen können.

Dies ist nur in kleinen und altersgemischten Klassen möglich. Schon im Kindergarten fängt die frühe Förderung an. Die Bildungspolitik der Zukunft akzeptiert den Menschen, wie er ist. Sie fördert ihn und grenzt ihn nicht aus. Die Pisa-Studie besagt eindeutig, dass das Schulsystem alle benachteiligt, die nicht zu den Wohlhabenden gehören oder die eine Teilleistungsschwäche in Form einer Lese-Rechtschreib-/Rechenschwäche haben. Es wäre gut, wenn eine Schulpolitik betrieben würde, die endlich damit aufhört, Menschen aus dem sozialen und kulturellen Leben auszustoßen. […] BETTINA FENZEL, Bremen

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