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Wirtschaft braucht noch Zeit

Der herbeigesehnte Konjunkturaufschwung will einfach nicht kommen. Wirtschaftsforscher hoffen auf eine Trendumkehr bei der privaten Nachfrage

BERLIN taz ■ Wann kommt der Schub, der die Konjunktur wieder in Fahrt bringt? Diese Frage beschäftigt derzeit nicht nur die Wahlkämpfer. „Ich habe längst mit dem Aufschwung gerechnet“, sagte Erwin Staudt, Geschäftsführer von IBM Deutschland, der taz. Bislang fehlten allerdings die Anzeichen für eine neue Dynamik, auch wenn sich die Auftragslage zusehends entspanne.

Ähnlich ging es den professionellen Wirtschaftsforschern. Nachdem am Dienstag bereits das Essener RWI und das Mannheimer ZEW ihre Prognosen nach unten revidiert hatten, zog gestern auch das DIW in Berlin mit schlechten Nachrichten nach: Auch im dritten Quartal soll es noch nicht wieder richtig aufwärts gehen. „Der Aufschwung erweist sich als verhaltener, als bisher vom DIW erwartet“, heißt es im aktuellen Wochenbericht – besonders rosig war die Vorhersage auch bislang nicht: Für dieses Jahr erwarteten die Forscher ein Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent, im kommenden von 2,0. Eine weitere Korrektur wollten sie „derzeit aber nicht“ vornehmen.

Als Grund für die schlechte Halbjahresbilanz nannten die Berliner Forscher den nun schon im vierten Quartal hintereinander rückläufigen privaten Konsum, den sie auf die zunehmende Sparquote wegen verstärkter Anstrengungen zur eigenen Altersvorsorge, die Schwäche an den Börsen, aber auch die gestiegene Arbeitsplatzunsicherheit zurückführten. Auch im Baubereich habe sich der Abwärtstrend weiter verstärkt. Immerhin erwartet das DIW im vierten Quartal beim privaten Konsum eine Trendwende, wenn die Ergebnisse der Tarifrunden sich in den Portemonnaies bemerkbar machen. Ein Mehr an Inlandsnachfrage sei auch notwendig, da die Exporte sich nach den aktuellen Signalen aus den USA sicher nicht beschleunigen werden. BW

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