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die anderen: bratwurst, grüne guerilla, un-autorität, quasselkultur

So sieht die New York Times das deutsch-amerikanische Verhältnis:

Die Falken um Bush scheinen die Vergangenheit vergessen zu haben. Wollen wir wirklich die Deutschen bestrafen, weil sie Pazifisten sind? Wenn diese Leute erst einmal in die andere Richtung loslegen, wissen sie kaum noch, wie sie sich bremsen sollen. Nun bietet Verteidigungsminister Struck mehr deutsche Truppen für Afghanistan an, und Außenminister Fischer entschuldigt sich bei Colin Powell, der sowieso lieber Beziehungen knüpft, als auf ihnen herumzutrampeln. Aber Gerhard Schröder wird den Weg der Peinlichkeiten gehen müssen. Den ständigen Sitz im US-Sicherheitsrat kann er sich abschminken. Und Bratwurst wird es im Weißen Haus nicht mehr geben.

Die Zeitung Sud-Ouest aus Bordeaux vergleicht die Grünen in Frankreich und Deutschland: Der Streit zwischen Grünen und Sozialisten in Paris macht deutlich, dass die französischen Ökos nicht erwachsen werden. Der Wahlerfolg ihrer deutschen Cousins zeigt den Unterschied. Hier gibt es unaufhörlich Guerillakämpfe einzelner Gruppen, zermürbende Machtkämpfe, Führer, die das Handtuch werfen, fünf Jahre vergeudete Regierungserfahrung und die Unfähigkeit, die französische Linke wiederzubeleben. Auf der anderen Seite des Rheins ist es das genaue Gegenteil: Die Führungsrolle Joschka Fischers wird nicht in Frage gestellt, Fundamentalisten und Pragmatiker haben zusammengefunden. Sie haben die Fähigkeit, auf die Entscheidungen ihres Landes Einfluss zu nehmen.

Die Badische Zeitung aus Freiburg meint zum Nahen Osten: Die UNO als Friedensbewahrerin? Durchsetzungsfähig müsste sie dafür sein. Stattdessen wird ihre Autorität untergraben. Die israelische Regierung nimmt die jüngste UN-Resolution nicht zur Kenntnis. Damit liefert Scharon der arabischen Öffentlichkeit eine anscheinend plausible Begründung für Saddam Husseins Nein zu einer neuen Resolution. Die UNO erscheint voreingenommen und fremdgesteuert – und befördert so die Radikalisierung. Das ist schlimm.

Die Aachener Nachrichten kommentieren den Reformstau, in dem die Bundesregierung steckt: Mit einer Fortschreibung der Konsens- und Quasselkultur wie beim müden Bündnis für Arbeit ist kein besserer Staat zu machen. Rot-Grün muss auf den zentralen Feldern endlich den Konflikt suchen, austragen und aushalten – mit Ärzten, Managern, Gewerkschaftern. Die Losung: Es muss was geschehen, aber es darf nichts passieren, gilt nicht länger. Der Bürger will wissen, was auf ihn zukommt, mit aller Konsequenz.

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