Die Polizei untersucht, ob die Zwickauer Terrortruppe auch versuchte, einen Duisburger Migranten zu ermorden. In ihrem Haus wurde eine Selbstschussanlage gefunden.von Andreas Wyputta

Noch immer werden neue Spuren entdeckt: Haus der Terrorzelle in Zwickau. Bild: dpa (Archivaufnahme)
Die rechtsextreme Zwickauer Terrorzelle könnte für einen weiteren Mordanschlag auf einen in der Türkei geborenen Migranten verantwortlich sein. Das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt (LKA) prüft derzeit, ob die Neonazis Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe hinter dem Beschuss eines Gastwirts in Duisburg im Jahre 2003 steckten. Das bestätigte der Sprecher des NRW-Innenministeriums, Ludger Harmeier, der taz.
Der zur Tatzeit 34-jährige Wirt sollte mit einer aus Wasserrohren zusammengebastelten Selbstschussanlage getötet werden. Während der Mann in seiner Kneipe "Sidney" im Bahnhof von Duisburg-Meiderich arbeitete, müssen die Täter eine Angelschnur an den Scheibenwischern seines Renault befestigt haben. Die führten zum Auslöser des auf einem Bahndamm aufgestellten Geräts.
Als der Gastronom gegen 2 Uhr 30 schloss und gemeinsam mit einer Bekannten losfuhr, löste sich ein äußerst präziser Schuss: Der durchschlug die Frontscheibe des Autos – der Fahrer überlebte nur, weil er sich in diesem Moment nach einem auf dem Wagenboden liegenden Gegenstand bückte. Durch einen Treffer in die Schulter wurde er aber schwer verletzt.
Zur Mordserie der Zwickauer Neonazi-Zelle wird es aller Voraussicht nach einen Bundestags-Untersuchungsausschuss geben. Die SPD-Fraktion wolle einem entsprechenden Antrag der Grünen zustimmen, sagte ein Sprecher am Samstag auf Anfrage. Er bestätigte damit einen Vorabbericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der Ausschuss soll unter anderem ein Versagen der Sicherheitsbehörden bei der Verfolgung der Terrorzelle und der Aufklärung ihrer Straftaten untersuchen. Laut dem Bericht könnte der Untersuchungsausschuss um Ostern herum seine Arbeit aufnehmen. Ein Untersuchungsausschuss wird eingesetzt, wenn mindestens ein Viertel der Parlamentarier dafür votiert. (dpa)
Noch betonen die Behörden allerdings, ihre Ermittlungen seien eine reine Routineangelegenheit – wie überall im Bundesgebiet hat auch Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) angeordnet, alle ungeklärten Mordfälle mit denkbarem rechtsterroristischem Hintergrund neu aufzurollen. "In dem Bekennervideo der Terrorzelle wird der Duisburger Anschlag jedenfalls nicht genannt", so Jägers Sprecher Harmeier.
In einen ähnlich gelagerten Fall, dem Sprengstoffanschlag im Juli 2000 am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn, habe sich trotz intensiver Ermittlungen keine Verbindung zu den Zwickauer Terroristen finden lassen. Bei dem Anschlag waren damals zehn Menschen zum Teil schwer verletzt worden, als ein in einer Plastiktüte verborgener Sprengsatz mitten in einer Gruppe jüdischer Aussiedler detonierte. Eine Frau verlor ihr ungeborenes Kind.
Bei dem Mordanschlag auf den Duisburger Wirt dagegen drängen sich Bezüge zu den Rechtsterroristen geradezu auf: Wie die WAZ berichtet, befand sich in der Zwickauer Wohnung, die Beate Zschäpe nach dem Tod ihrer Komplizen Böhnhardt und Mundlos in die Luft gesprengt hat, eine ähnliche Selbstschussanlage. "Eine solche Vorrichtung wurde gefunden", bestätigte ein Sprecher von Generalbundesanwalt Harald Range der taz.
Hintergrund der polizeilichen Zurückhaltung könnten damit auch die bisherigen Ermittlungen sein, die bis heute im Nichts verliefen. Terror von rechts als Tatmotiv wurde wie bei vielen der Opfer offenbar für kaum möglich gehalten – stattdessen wurde auch in Duisburg das private und geschäftliche Umfeld des Gastronomen verdächtigt.
Außerdem verdichten sich die Indizien, dass die Neonazis auch für das Nagelbombenattentat in der Kölner Keupstraße 2004 mit 22 Verletzten verantwortlich sind: Wie der Focus berichtet, fanden Ermittler auf einem Computer der Zwickauer Terrorzelle zur Fahndung benutzte Bilder aus einer Überwachungskamera, die Böhnhardt und Mundlos zeigen. Benannt hatten sie ihre Dateien stolz nach ihren Tarnnamen: "Gerri" und "Max".
Bayerns Ex-Innenminister Günther Beckstein muss vor dem Untersuchungsausschuss aussagen. Fehler der bayerischen Behörden sieht er nur im Detail von Wolf Schmidt

Die Iren haben per Referendem für den Europäischen Fiskalpakt gestimmt. Nun drohen höhere Steuern und Kürzungen im Gesundheits- und Bildungswesen. von Ralf Sotscheck

Fast 13 Jahre lang konnte die Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" mordend und raubend quer durch Deutschland ziehen, ohne dass ihr die Ermittlungsbehörden auf die Spur gekommen waren.
Erst als die Mitglieder Uwe M. und Uwe B. nach einem Banküberfall in Eisenach in einem Wohnmobil Selbstmord begingen, ihre Komplizin Beate Z. die gemeinsame Wohnung in Zwickau in die Luft jagte und sich dann der Polizei stellte, fügten sich die Puzzleteilchen vieler ungelöster Verbrechen plötzlich zu einem größeren Bild zusammen: Die Morde an acht türkischen und einem griechischen Kleingewerbetreibenden haben einen rassistischen Hintergrund und gehen sämtlichst auf das Konto der Gruppe.
Die ist auch verantwortlich für die tödlichen Schüsse auf eine Polizistin in Heilbronn sowie ein Nagelbombenattentat in einem mehrheitlich von MigrantInnen bewohnten Kölner Viertel. Ihre Beteiligung an weiteren Taten wird derzeit geprüft. Eigentlich undenkbar ist, dass die Gruppe so lange ohne breitere Unterstützung durch das rechtsextreme Milieu im Verborgenen operieren konnte.
Erste Festnahmen mutmaßlicher Helfer haben schon stattgefunden. Und zudem stellt sich die Frage: Inwieweit war der Verfasssungschutz mit seinen Fühlern in dier Nazi-Szene über das Treiben der Gruppe informiert? Die taz berichtet ausführlich über den Terror von rechts.
Kita-Ausbau, Betreuungsgeld, Flexi-Quote - nix klappt bei der Familienministerin. Keine Schnute ziehen, Frau Schröder. taz.de hat Vorschläge für andere Aktivitäten.

Echte Stars, begeisterte Fans, prima Shopping-Tipps - wir freuen uns auf die Fußball-Europameisterschaft.

Starre Rituale, öde Debatten, ein Haus der Langeweile? Nicht in der Ukraine! Hier werden Parlamentsdebatten noch mit Leidenschaft, Herzblut und handfesten Argumenten geführt!

Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.


Leserkommentare
08.01.2012 20:01 | der Bauer aus dem Hunsrück
ich verstehe ja garnichts mehr! ...