Im Streit über den Einsatz deutscher Soldaten im Libyen-Krieg droht Ströbele mit Verfassungsklage. Das Verteidigungsministerium weist die Auffassung als "rechtsirrig" zurück.von ANDREAS ZUMACH

Ein Krieg mit dem Deutschland nichts zu tun hat? Weit gefehlt. Bild: dapd
GENF taz | Wenn die Bundesregierung nicht einlenkt, dann "müsste gegebenenfalls erneut das Bundesverfassungsgericht die Rechtslage klären", kündigte der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele am Freitag indirekt seine Klage in Karlsruhe an. Tags zuvor war durch eine Antwort des Bundesverteidigungsministeriums auf eine kleine Anfrage des Grünen-Abgeordneten erstmals bekannt geworden, dass elf Bundeswehrsoldaten unter anderem an der Auswahl von Bombenzielen der Nato in Libyen beteiligt sind.
Die elf deutschen Soldaten in der Nato-Kommandozentrale in Neapel und im norditalienischen Poggio Renatico gehören zu einem Kontingent von insgesamt 250 Militärs aus verschiedenen Nato-Staaten, die das Brüsseler Hauptquartier Mitte März als Verstärkung angefordert hatte. Sie sollen die inzwischen über 9.000 Luftangriffe auf Ziele in Libyen koordinieren.
Nach Einschätzung Ströbeles ist Deutschland mit den elf Soldaten "aktiv" am Krieg beteiligt, ohne Mandat des Bundestages. Der hätte der Entsendung der elf Soldaten in die Nato-Kriegsführungszentralen vorab zustimmen müssen. Verteidigungsminister Thomas de Maizière hatte diese Auffassung als "rechtsirrig" zurückgewiesen und hinzugefügt: "andernfalls können wir aus der Nato austreten".
Laut Darstellung des Ministers sind "die Mitarbeit in Nato-Stäben und die Bereitstellung von Infrastruktur für den Einsatz selbstverständlich und bedürften auch keines Bundestagsmandats". Das sei auch durch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts gesichert. Ein konkretes Urteil konnte der Minister allerdings nicht nennen.
Tatsächlich existiert bislang kein Spruch des Verfassungsgerichts, der in der Frage der Zustimmungspflicht des Bundestages differenziert. Es wird nicht unterschieden zwischen dem unmittelbaren bewaffneten Kampfeinsatz deutscher Bodentruppen, Marineverbänden oder Bomberpiloten im Kriegsgebiet oder dessen Luftraum einerseits und einer indirekten Beteiligung außerhalb des Kriegsgebiets andererseits - sei es in Kommandoeinsatzzentralen, Aufklärungsflugzeugen, bei der Nachschubversorgung der kämpfenden Einheiten oder sonst wo.
In zumindest politischem Widerspruch zur Darstellung des Ministers steht auch die Tatsache, dass die Bundesregierung deutsche Soldaten aus Awacs-Aufklärungsflugzeugen der Nato im Mittelmeerraum sowie deutsche Schiffe aus dort kreuzenden Nato-Verbänden abgezogen hatte, um nicht mit der Libyen-Mission in Berührung zu kommen.
Denn die Bundesregierung hatte sich bei der Abstimmung über den Libyen-Kriegseinsatz Mitte März im UNO-Sicherheitsrat enthalten. Deshalb wurde selbst eine Beteiligung deutscher Soldaten an der Sicherung humanitärer Versorgungslieferungen für libysche Flüchtlinge in den Nachbarländern abgelehnt.
Vor diesem Hintergrund kritisierte die SPD-Fraktion die Bundesregierung. "Die jetzt bekannt gewordene Beteiligung deutscher Soldaten bei der Auswahl militärischer Ziele in Libyen entlarvt die großspurigen Ankündigungen von Außenminister Westerwelle, sich unter keinen Umständen am Libyen-Einsatz zu beteiligen, als Farce", erklärte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Gernot Erler.
Die verfassungsrechtlichen Bedenken des Grünen-Abgeordneten Ströbele teilt die SPD allerdings nicht. An Operationen der Nato seien "immer deutsche Soldaten in irgendeiner Form beteiligt, ob mit oder ohne Bundestagsmandat", erklärte der verteidigungspolitische Fraktionssprecher Rainer Arnold. Ein eventuelles neues Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu dieser Frage hält der SPD-Politiker für politisch irrelevant: "Das Verfassungsgericht würde uns nicht zwingen können, die Nato mehr oder minder zu blockieren."
Der Freispruch für einen Richter wird aufgehoben, der einen Angeklagten zur Einschüchterung in eine Gefängniszelle gesperrt hatte. Der Prozess wird nun wiederholt. von Christian Rath

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Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
21.08.2011 10:04 | Florentine
Zur Erinnerung, liebe Empörte: ginge es nach der taz, der SPD und den Grünen würden deutsche bomber tripolis bombardieren.
20.08.2011 18:46 | Hilmar
indirekter Einsatz, und das am Sabbat, die Beweislage ist eindeutig, Deuschland hat keine Soldaten direkt vor Ort, das heiß ...
20.08.2011 13:01 | Henner Kroeper
Die Deutsche Enthaltung war doch eine abgesprochene (wegen der Landtagswahlen) Zustimmung. Wer was anderes glaubt ist naiv.