Kommentar: Zöllners Zweite-Hand-Reförmchen
Bildungssenator Zöllner bleibt bei seinen Vorschlägen zur Reform des Schulsystems auf halbem Weg stehen - und beerdigt die in ihn gesetzte Hoffnung als Supersenator.
Man nannte ihn "Supersenator": Bei seinem Amtsantritt vor kaum zwei Jahren wurde Jürgen Zöllner von allen Seiten wie ein Heilsbringer gefeiert. Dass dieser Glanz etwas verblasst, war erwartbar und normal. Doch mit den Vorschlägen zur Reform des Schulsystems, die er am Mittwoch vorlegte, macht der Bildungssenator der in ihn gesetzten Hoffnung als genialer Retter selbst ein Ende.
Das mehrgliedrige Schulsystem abschaffen zugunsten eines zweigliedrigen, bestehend aus Gymnasien und einer neuen, aus Haupt-, Real- und Gesamtschulen verschmolzenen Form - so lautet im Kern des SPD-Senators Idee. Die ist weder neu noch sozialdemokratisch: Längst haben CDU-regierte Länder wie Schleswig-Holstein und das schwarz-grüne Hamburg diesen Schritt getan. Von der Idee einer Schule für alle, wie SPD und Linke sie im Koalitionsvertrag beschlossen haben, unterscheidet sich das zweigliedrige Konzept vor allem durch den Kniefall vor den Eltern, die aufs Gymnasium nicht verzichten wollen.
Und genau damit ist auch das Scheitern der Reform vorhersehbar: Wer seiner Schulform selber so wenig zutraut, dass er sie lieber nicht allen zumuten will, sondern für die Schlauen doch noch ein Extrawürstchen brät, darf sich nicht wundern, wenn das dann die meisten auch essen wollen. Man muss kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass die Mehrheit der Eltern künftig noch härter als bisher um einen Platz auf dem guten alten Gymnasium für ihre Sprösslinge kämpfen wird.
Zöllners Reform wird also vor allem eins bedeuten: Künftig gibts eine Schule für die Schlauen - und eine für den Rest. Super finden können diese Idee des Senators also erst mal die Nachhilfeschulen, die noch regeren Zulauf als bisher haben werden.
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