Kommentar von GERNOT KNÖDLER
Die Bürgerbeteiligung zur Verkehrsplanung in Wilhelmsburg ist gescheitert, denn sie hatte keinen wesentlichen Einfluss auf die Pläne des Senats. Ziel des "Beteiligungsprozesses Verkehrsplanung im Hamburger Süden" war es offiziell, Transparenz und einen Interessenausgleich herzustellen. Für Transparenz wurde gesorgt, der Interessenausgleich durfte von Anfang an als ein Lippenbekenntnis gelten - zu deutlich hatte sich Senatorin Anja Hajduk (GAL) auf die beiden neuen Trassen festgelegt.
Die Haltung der Senatorin ist nachvollziehbar, schließlich hatte sie zwei Forderungen aus dem Stadtteil erfüllt: keine Hafenquerspange über den Spreehafen hinweg, die Wilhelmsburg von der Innenstadt abgeschnitten hätte, und den Rückbau der Reichsstraße. Dass dies vielen Wilhelmsburger nicht weit genug geht, wirkt undankbar und wirklichkeitsfremd. Dazu kommt der Druck aus der Wirtschaft und der Wunsch, bei der IBA 2013 etwas vorweisen zu können.
Dennoch hat Hajduk eine Chance vertan. Hamburg hat Erfahrung mit verbindlicher Bürgerbeteiligung. Beispiele dafür sind die Messeerweiterung und die Zentrumsplanung in Bergedorf. In beiden Fällen haben sich viele Bürger ernsthaft und kompetent engagiert. Im Falle der Messe lässt sich schon sagen, dass die Stadt davon profitierte. Auf Wilhelmsburg angewandt, heißt das: Auch Verkehrsplaner haben die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen und Autobahnen sind kein Schicksal.
Monatelang konnten Bürger am Innenstadtkonzept mitarbeiten. Henning Scherler war dabei und will krasse Planungsfehler korrigieren. Nicht ganz leicht, wie sich herausstellte.

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