Kommentar von TONI KEPPELER
Manuel Zelaya muss etwas tun. Er muss zumindest versuchen, nach Honduras zurückzukehren, sonst spielt er den Putschisten um Roberto Micheletti in die Hände. Denn die spielen auf Zeit.
Das machten die gescheiterten Vermittlungsbemühungen des costa-ricanischen Präsidenten Oscar Arias deutlich: Micheletti ging es nie um ein Ergebnis; er will eine Hängepartie bis zur nächsten Präsidentschaftswahl am 29. November. Im Lauf der Wochen, so hofft er, wird das internationale Interesse an Honduras genauso nachlassen wie der Protest der nur lose organisierten Anhänger des gestürzten Präsidenten.
Wenn der Putschpräsident Micheletti und seine Freunde mit dieser Strategie Erfolg haben, dann wird es nach einer von den Militärs kontrollierten Wahl einen neuen Präsidenten geben, und alles wird sein wie früher. Die Macht der seit der Unabhängigkeit des Landes herrschenden politischen, wirtschaftlichen und militärischen Elite wäre gesichert, Zelayas Versuch politischer und sozialer Reformen nicht mehr als eine Fußnote der Geschichte.
Um das zu verhindern, sucht Zelaya den Showdown. Er will am Sonnabend - mutmaßlich auf dem Landweg von Nicaragua aus - in seine Heimat zurückkehren. Die Putschregierung und die Militärs reagieren entsprechend nervös. In der Grenzregion wurden Straßensperren errichtet, eine Ausgangssperre von 6 Uhr abends bis 6 Uhr morgens wurde verhängt. Das wird nicht viel nützen. Tut Zelaya, was er angekündigt hat, wird es zu Unruhen kommen.
So arrogant, wie sich die Putschisten seit dem Staatsstreich am 28. Juni benehmen, werden sie darauf keine andere Antwort finden als bloße Repression. Sie haben die Macht der Waffen, und sie werden sie nutzen. Zelaya wird auf diesem Weg kaum zurück ins Präsidentenamt kommen. Aber er zwingt die Organisation Amerikanischer Staaten, entschiedener als bislang zu reagieren.
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