• 24.11.2009

Ist der Tonfall in der aktuellen Stasi-Debatte nicht zu scharf? Nein. Die Linkspartei hat Glück, unfallfrei durchs Wendejahr gekommen zu sein und muss schleunigst aufräumen.

Ohne Wahrheit keine Versöhnung

KOMMENTARvon Stefan Reinecke

  • 24.11.2009 14:15 Uhr

    von Melissa:

    Es scheint, dass sich Herr Hoffmann engagiert hat und sein Engagement in den eigenen Reihen unerwünscht ist, so dass die Vergangenheit durchwühlt wird auf der Suche nach Verwertbarem. Das passiert in Deutschland regelmäßig mit unbequemen Querulanten. Aber: Im Alter von 17 Jahren (noch nicht einmal volljährig) sind wohl viele Menschen blauäugig. Und: Es sind 4 Jahrzehnte vergangen, in denen sich Herr Hoffmann auf verschiedenen Gebieten Verantwortung übernommen hat.

    Möge er sein Mandat behalten! Es gibt in den Behörden heute, 20 Jahre nach dem Mauerfall, immer noch Mitarbeiter, die nach Stasimanier und mit Stasimethoden den Menschen in privaten Angelegenheiten hinterher schnüffeln, sie denunzieren, Biografien zerstören. Ist das besser? Ist das weniger schlimm?

    Wer noch nie eine Sünde begangen hat, der werfe den ersten Stein.

  • 24.11.2009 12:46 Uhr

    von Helmut Ruch:

    „Die Linkspartei muss aufräumen“. Ein typischer Reinecke! Die verhasste Partei heißt zwar seit über 2 Jahren „DIE LINKE“, das muss er aber nicht zur Kenntnis nehmen. Das große VorBILD hat es ja auch Jahrzehnte lang geschafft, politische Realitäten in „sogenannte“ umzudeuten.
    Aber zum Inhalt: wenn sich die grünen Paten der taz, samt deren Heinrich-Böll-Stiftung, auch nur annähernd so intensiv mit der politischen Vergangenheit der sie beherrschenden ehemaligen KBW-Kader beschäftigt hätten wie die damalige PDS mit der ihrer Mitglieder, wäre nicht aus der Friedenspartei Petra Kellys die Partei der Kriegstreiber um Fischer, Schmierer, Fücks und Nachtweih geworden, wäre Ökologie noch ein glaubhaftes Thema der Grünen und nicht nur ein politisches Deckmäntelchen. Bei den Leuten, die diesen Kurswechsel bewirkt haben, handelte es sich auch nicht um 17 jährige Schüler, und die Informationen über diese Leute sind auch immer gut zugänglich gewesen, z.B. hier:
    http://www.ulrich-wegener.de/spd_dsv/spd_dsv_diskussion/gruene/dittfurt_gruene.pdf
    Dass die Grünen nicht in der Lage sind, „aufzuräumen“, verwundert nicht; täten sie es, können sie gleich mit der FDP fusionieren. Für einen Journalisten wie S. Reinecke aber sollte der oben angeführte Artikel Jutta Dittfurts doch genug Stoff bieten, sich mit seinen politischen Freunden etwas intensiver auseinander zu setzen. Auch sein Arbeitgeber kommt bei Dittfurt übrigens nicht gut weg: so wie sie heute gegen DIE LINKE im Allgemeinen und Lafontaine im Speziellen hetzt, agierte die taz in den 80er Jahren gegen die „Fundies“ bei den Grünen. Tradition verpflichtet!

  • 24.11.2009 12:24 Uhr

    von Ein Brandenburger:

    @Jan
    Ich bin vollkommen Deiner Meinung.
    Doch man muß ja auch an die armen Journalisten denken.
    Eine der „Lieblingsbeschäftigungen“ von Stefan Reinecke ist das Bashing von „Die Linke“.
    Dabei spielt es keine Rolle ob es um die ganze Partei, ein einzelnes Mitglied oder wie jetzt um das ewige Thema Stasi geht.

    Womit soll der Gute denn seine Brötchen verdienen wenn er den halben Tag Däumchen drehen müßte?

    Irgendwie ist es schon komisch daß fast nur Mitglieder von „Die Linke“ Kontakte mit der Stasi hatten. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.

  • 24.11.2009 00:04 Uhr

    von Jan:

    Also langsam aber sicher geht mir das auf die Ketten! Bei vielen ernsthaften Straftaten gibt es eine viel kürzere Verjährungszeit. Aber dass einer vor fast 40 (!) Jahren als 17-jähriger bei der Stasi unterschrieben hat, das wird ihm jetzt noch angelastet. 40 Jahre - Mensch, so lange haben Alt-Nazis wie Filbinger, Globke uva. in der BRD munter mitregiert und diese Leute hatten viele Menschenleben auf dem Gewissen! Noch heute gibt es bei der Bundeswehrmacht Kasernen, die nach Kriegsverbrechern benannt sind. Meiner meiner nach sollte sich die taz mehr mit solchen Sachen auseinandersetzen, als mit den rechtskonservativen auf die Linke einzuprügeln.
    Ich selbst bin linientreu in der DDR aufgewachsen (geb. 1974), habe aber sehr viele Misstände gesehen und war deshalb begeisterter Anhänger von Gorbatschows Glasnost und Perestroika. Als Jugendlicher war ich naiverweise überzeugt, dass die Stasi hauptsächlich Auslandsspionage macht und abwehrt. Ich weiß also selber auch nicht, wie ich mich in so einer Situation verhalten hätte, da mir die Tragweite nicht bewusst gewesen wäre. Im übrigen könnte ich mich nach 40 Jahren sicher auch nicht erinnern, ob ich "Kontakt" zu einer Organisation hatte oder etwas unterschrieben habe.
    Liebe taz-er wendet Euch den wahren Problemen zu: soziale Probleme, Arbeitslosigkeit, nukleare Abrüstung (viel wichtiger als ein überhasteter Atomausstieg!!!) etc. und überlasst das Einprügeln auf die Linken der BLÖD-Zeitung u.a.

    MfG

    Jan Michael (Dresden)

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