Kolumne von Deniz Yücel

Darf der Papst seine Schuhe als Souvenir in den Ruhestand mitnehmen oder muss er sie seinem Nachfolger überlassen? Bild: reuters
Der völlig überraschende Rücktritt Papst Benedikt XVI. hat Experten, Gläubige und Hauptstadtjournalisten völlig überrascht. Hier die zwölf Fragen, die die Welt seither umtreiben. Und noch besser: die zwölf Antworten, die die Welt, so Gott will, zufriedenstellen werden.
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1. „Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen“ – wer glaubt denn so was? Niemand natürlich, erst recht nicht in Zeiten des Internets. „Gesundheitliche Gründe“ waren immer schon der fadenscheinigste aller Vorwände, vor allem bei deutschen Führern (Honecker, Bismarck, Kurt Beck). Etwas anderes wäre es gewesen, wenn Benedikt XVI. wegen schlechter Quartalszahlen oder akuter Abstiegsgefahr zurückgetreten wäre. Oder um mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen. So aber bleibt ein dickes Fragezeichen hinter den Geschehnissen des 11. Februar 2013: Warum ausgerechnet er? Wieso ausgrechnet jetzt? Ist so viel Zufall möglich?
2. Qui bono Rücktritt? Den Liberalen, Homos und Muselmanen, denen Joseph Ratzinger stets zu illiberal, zu homofeindlich und zu unhalal galt. Vor allem aber jenen, denen Benedikt XVI. wegen seines unermüdlichen Einsatzes gegen die Gier und für den Frieden in der Welt (und im Nahen Osten!) ein Dorn im Auge war. Mehr lässt sich zur Stunde nicht sagen, die 11/2-Truth-Bewegung steht noch am Anfang.

Deniz Yücel
ist Redakteur der taz.
Foto: taz3. Kann ein Papst überhaupt zurücktreten? Logisch, geht. Allerdings treten nur Weicheier freiwillig oder aus „gesundheitlichen Gründen“ vom Stuhl Petri zurück. Ein Gregor VII. („Alle Fürsten sollen des Papstes Füße küssen“) wäre nie im Leben, unter gar keinen Umständen zurückgetreten. Tat er dann auch nicht.
4. Ist Benedikt XVI. der erste Papst, der freiwillig von seinem Amt zurücktritt? Nein. Irgendwer ist schon mal zurückgetreten. Einzelheiten entnehmen Sie der Qualitätspresse oder schauen selbst bei Wikipedia nach.
5. Wie geht es jetzt weiter? Noch vor Ostern soll in einer obskuren Rauchzeremonie der nächste Papst bestimmt werden. Gespannt darf man darauf sein, welchen Namen sich dieser geben wird. Innozenz wäre mal wieder an der Reihe. Oder Paschalis. Wirklich wagemutig und innovativ aber wäre etwas anderes: Papst Mohammed I. – als Geste der Dialogbereitschaft. Oder Papst Kevin I. – als Zeichen dafür, dass die heilige römische Kirche keine Seele aufgibt. Ob die Kirche aber so weltoffen und tolerant ist, bleibt abzuwarten bzw. abzuhoffen.
6. Könnte Margot Käßmann Benedikts Nachfolgerin werden? Nope.
7. Och mennö. Warum nicht? Hören Sie auf zu quengeln, das bringt nichts.
8. Na gut. Könnte es wenigstens ein anderer Deutscher werden, Walter Mixa, Reinhard Marx oder der Scherzkeks aus der Jauch-Sendung? Ausgeschlossen. Um die Chancen des Papststandortes Deutschland steht es denkbar schlecht. Ehe wieder einer von uns Papst wird, bekommen wir noch einmal den Zuschlag für eine Fußballweltmeisterschaft oder eine Handyfabrik. Und einen Papst, der erst dem Führer gedient und dann die Christenheit geführt hat, wird die Welt garantiert nicht mehr sehen.
9. Und wer wird stattdessen Benedikt XVI. nachfolgen? Wahrscheinlich irgendein Ausländer; ein Latino vielleicht, ein Fidschi oder sogar ein Neger. (Aber kein Jude!) All jene, die die katholische Kirche eigentlich nicht leiden können, aber es total süß fänden, wenn so ein Hungerleider aus der Dritten Welt auf dem Heiligen Stuhl Platz nähme, werden sich noch wundern, wenn es tatsächlich soweit kommt, sich dieser Papst Afro I. aber, was gut passieren kann, als Obama der Inquisition erweist, der Ratzinger im Rückblick als legitimen Nachfolger Adornos erscheinen lassen wird.
10. Wird der Neue den Zölibat abschaffen, Frauen zum Priesteramt zulassen, besoffen durch Hannover rasen, die Politik in Sachen Schwule und Abtreibung ändern und die Missbrauchsskandale schlimm finden? Sicher nicht. Dann könnte man den Laden gleich dichtmachen.
11. Was wird aus dem Altpapst? Das weiß der Herr allein. Vielleicht betraut ihn ja sein Nachfolger mit wichtigen Aufgaben. Die Rumpelkammer des Vatikans aufräumen oder die Gebeine der Heiligen sortieren. Was immer er auch macht, seine roten Puschen jedenfalls wird er abgeben müssen.
12. Ist jetzt Schluss mit der Zeile „Wir sind dit und dat“ auf T-Shirts und in Zeitungsüberschriften? Nein, das bleibt in Ewigkeit. Amen.
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Leserkommentare
16.04.2013 23:55 | RolfKilian
Herr Yücel schreibt "QUI bono" und schon wird er kritisiert. Wie kleinlich! Herr Yücel darf das, er ist schließlich Qualitä ...
21.03.2013 09:16 | Joseph
Ein sehr amüsanter Kommentar. Ich verstehe wirklich nicht, was hier daran so schlimm sein sollte, das sich so viele BRD-Bür ...
21.03.2013 08:51 | Lilly Wolkowsky
So viel konzentrierte Geschmacklosigkeit und Niederträchtigkeit kann nur aus Deutschland kommen. Seit man im Reich Adolfs d ...