CCC-Jahreskongress: Platzprobleme im bcc
Der Jahreskongress des Chaos Computer Clubs war schon am ersten Tag ausverkauft. Stundenlang mussten die Hacker in der Berliner Kälte Schlange stehen. Was sagt uns das?
Bild:
Alljährlich zwischen den Jahren fallen tausende Hacker in Berlin ein, um bei ihrem "Chaos Communication Congress" die neuesten politischen und technischen Entwicklungen aus der Computer- und Netzwelt zu diskutieren und auszuprobieren. Die viertägige Veranstaltung findet seit Jahren im bcc statt, einem Kongresszentrum am Berliner Alexanderplatz.
Und das ist mittlerweile ein bisschen zu klein geworden. Schon am Sonntag, dem ersten Veranstaltungstag, morgens um viertel vor elf war der diesjährige Kongress ausverkauft. Liegt das daran, dass der CCC einfach lässig und beliebt ist?
Durchaus: Das CCC-Kernthema Netzpolitik erhielt in diesem Sommer mit der Debatte um die Von-der-Leyenschen Netzsperren eine Öffentlichkeit wie nie zuvor. Andere freiheitsfeindliche Gesetze wie die Vorratsdatenspeicherung oder das BKA-Gesetz bekamen unverhofft neue Aufmerksamkeit. Die ureigenen Themen des "Clubs", Überwachung und Informationsfreiheit, wurden im Bundestagswahljahr 2009 plötzlich auch abseits der Computernerd-Szene breit diskutiert.
Auch, weil mit der Piratenpartei eine neue Akteurin auf die politische Bühne getreten war. Sie war interessant für die Medien und setzte zudem allein durch ihre Existenz die etablierten politischen Parteien unter Druck, ihr netzpolitisches Profil zu schärfen.
Der Siegeszug der Netzpolitik ist aber mehr als nur ein Medienphänomen: Die deutsche Bürgerrechtsbewegung kann zum Jahresende 2009 mit Stolz zurückblicken und sich auch ein wenig feiern, denn die jahrelange, oft mühsame Arbeit trägt endlich Früchte. Die Konjunktur, die die Netzpolitik in diesem Sommer und auch jetzt noch erfährt, kann die Bewegung mit fundierten politischen Forderungen bedienen.
Die deutsche Bürgerrechtsbewegung, und damit untrennbar verbunden auch der CCC, ist einfach kompetent. Netzpolitik, der neueste Schrei: Da muss man dabei sein. In diesem Jahr. Als Pirat eh. Und überhaupt.
Allein deswegen die langen Schlangen und die überfüllten Vorträge? Nicht nur. Denn auch das bcc ist schlichtweg zu klein. Damit alle 2010 einen gerechten Zugang zu Vorträgen, Workshops und in den Techno-Keller erhalten können, müsste der CCC im kommenden Jahr lediglich einen anderen Ort für seinen Kongress wählen. Allerdings: Aus sicherer Quelle heißt es, dass es keinen anderen Ort in der Hauptstadt gäbe, der sich für den Hacker-Kongress eigne. Man habe dies schon geprüft.
Vielleicht könnte man ja beheizbare Zelte neben dem bcc aufstellen.
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert