piwik no script img

wortwechselPolitik-Frauen – Anschlag auf zarte Männernerven?

Die wochentaz porträtierte zwei „Querschlägerinnen“ der deutschen Politikszene unter dem taz-Titel „Frauen, die nerven“: Saskia Esken (SPD) und Heidi Reichinnek (Die Linke)

630 Abgeordnete im neuen Bundestag, davon nur 204 Frauen. Reichinnek ist Fraktionschefin der Linken, Esken bald Ministerin? Fotos: Stefanie Loos, Stefan Boness, Montage: taz

Frauen, die nerven. Saskia Esken und Heidi Reichinnek wollen stören – als potenzielle Ministerin und aus der Opposition heraus. Wie machen sie Politik in einer Welt, die männlicher geworden ist?“, wochentaz vom 29. 3. 25

Der neue Bundestag: 32,4 Prozent Frauen

Die beiden Frauen wollen nerven. Ich wünsche ihnen von Herzen Erfolg, denn das brauchen wir alle. Die Betonung liegt noch auf wollen. Wie man das macht, haben Katharina Dröge und Britta Haßelmann (stellvertretend für die Grünen und deren Frauen) schon mal vorgemacht. Zwei Machos zu politischen Zugeständnissen zu bringen, die nie ohne diese Nervigkeit zustande gekommen wären. Ich schlage vor, das Wort durchsetzungsfähig, das ja meist im Zusammenhang mit Männern benutzt wird, zukünftig durch „Nervigkeit“ ersetzt wird – und zwar positiv besetzt. Jutta Kodrzynski

„Frauen, die nerven“ – ein gutes Thema! Nur als Idee: warum habt ihr nicht beiden – jedenfalls zum Teil – dieselben Fragen gestellt? Bei mir drängt sich der Eindruck auf, dass ihr zwei Elemente, die an der Oberfläche vielleicht ein bisschen etwas miteinander zu tun haben (Artikel über Esken, die manche eben manchmal nervt, plus das Interview mit Reichinnek, die sagt, sie freue sich darauf, Union und SPD mit ihren Themen zu nerven), zusammengepackt und beiden eine Ober-Überschrift gegeben habt. Schade, dass ihr da nicht ein bisschen mehr „Butter bei die Fische“ gegeben habt und zum Beispiel der Frage nachgegangen seid, warum möglicherweise die Union ihre Frauen besser schützt oder vielleicht besser fördert als die linken Parteien.

Dorothea Hartz, Bremen

SPD-Vorsitzende Saskia Esken. Sie ist noch da“, wochentaz vom 29. 3. 25

Mir hat es sehr gut gefallen, wie Sie das Bild von Frau Esken objektiviert und somit auch ihr Bild in der Öffentlichkeit aufgewertet haben. Das teilweise sehr unangenehme Frauenbashing einer rechten Männerjournaille (auch Frau Baerbock gegenüber) ist auch für mich als Mann nur schwer erträglich.

Ich erinnere mit Schaudern, wie Frau Nahles in der SPD von Gerhard Schröder öffentlich disqualifiziert wurde. SPD wie auch CDU tun sich innerparteilich schwer, Frauen gleichberechtigt zu fördern und zu behandeln. Insofern laufen ihnen auch besonders die jungen weiblichen Wählerinnen weg. Die Berichterstattung der taz bildet da ein gutes Gegengewicht.

Heiko Blumberg

Danke für das ausgewogene Porträt. Ich finde Frau Esken cool. Sie hat etwas Ruhe in das Personal-Karussell der SPD gebracht und scheint vieles richtig zu machen und eher im Hintergrund zu wirken.

Harte Schale, weicher Kern, und endlich jemand, die arbeitet, anstatt der eigenen Eitelkeit zu frönen! Der Digitalpakt für Schulen war bitter nötig … vorbei an den völlig unflexiblen Landesschulämtern.

Nudel auf taz.de

Esken wird von Leuten attackiert, die ihre Politik attackieren, die noch mehr Zaster für Reiche und weniger für die Bedürftigen wünschen – und das ist doch auffallend. Name ist der Redaktion bekannt

Esken arbeitet erfolgsunabhängig – und das ist kein Kompliment. Ihre Währung ist Treue und Loyalität, mit einem scharfen Verstand hat das wenig zu tun. Statt die Kurve zu kriegen, macht sie die SPD langfristig überflüssig. Andreas_2020

Ein faires und schwesterliches Portrait von Esken. Aber wie soll ein Neubeginn bei der SPD beginnen, wenn sie schon wieder in eine Groko geht, ohne zuvor die Gründe für ihren Misserfolg bei der Wahl geklärt zu haben? Lindenberg auf taz.de

Esken ist weniger das Problem als der aalglatte Klingbeil. Migrationspolitik wie die CDU? Härte gegen Bürgergeldempfänger? Ein kurzes Aufmucken, wenn es gegen die „Fleißigen und Anständigen“ geht? Ansonsten ist die Partei völlig konturlos. Bambus05 auf taz.de

Linksfraktionschefin Heidi Reichinnek: „Ich freue mich darauf, zu nerven““, wochentaz vom 29. 3. 25

Ihre frische Art, Themen zu setzen, etablierte Strukturen infrage zu stellen und mit disruptivem Willen zu kritisieren, ist wichtig und richtig. Gerade viele junge Wähler hat sie mit ihrem Stil und den gezielt zugeschnittenen Inhalten begeistert. Was mir jedoch fehlt, ist der Realitätsabgleich – sprich, konkrete und umsetzbare Vorschläge, wie die (oft zu Recht) kritisierten Missstände tatsächlich behoben werden können. alohomora auf taz.de

Ostdeutsche, Arbeiterkind, Frau, Sozialarbeiterin: wenn eine Partei will, kann sie offenbar auch das breite Potenzial jenseits von männlichen Juristenbeamten und Berufspolitikern anzapfen – gerne mehr davon! Janix auf taz.de

Die Frau ist untragbar: „Mit Islamisten reden!“ lautet der Titel des Beitrags, den Reichinnek damals mit zwei Co-Autoren für die Rosa-Luxemburg-Stiftung verfasste. Reichinnek und ihre Mitautoren sind überzeugt, dass die Islamisten sich im „Dialog“ mit westlichen Antikapitalisten mäßigen lassen würden. Gemeinsame Werte gebe es einige, etwa die Abneigung gegen den „Raubtierkapitalismus“. Islamisten würden nämlich für eine gerechte Verteilung des Reichtums eintreten. Auch die „Zerschlagung korrupter Netzwerke“ stehe auf ihrer Agenda. Emmo auf taz.de

@Emmo: Man glaubt in Europa und hierzulande doch auch, dass Faschisten sich mäßigen ließen, wenn man nur in einen Dialog mit ihnen trete. Dort, wo Islamisten an der Macht sind – in Syrien, im Iran – passiert das ebenso, schon aus rein pragmatischen Gründen. Das hat natürlich nichts mit einer antikapitalistischen Achse zu tun. Als Counterpart zu dem etwas aufgekratzten Image von Frau Reichinnek gibt’s glücklicherweise ja die Parteivorsitzenden – eine perfekte Rollenverteilung, solange die Linke nicht wieder ihrer Hauptleidenschaft frönt: sich selbst zu zerlegen. Abdurchdiemitte auf taz.de

taz lesen kann jede:r

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen