wie geht’s? – muss! #4 : Macht KI kritikunfähig?
Hirnlose Antworten, Unauffällige Fehler und Verfehlen des Themas. Unsere Redakteurin Nisa redet hier in der taz lab Kolumne #4 über ihre Gedanken zu Ki.
Künstliche Intelligenz nervt. Die Antworten der Chatbots wirken auf mich immer eher künstlich als intelligent, sind zwanghaft freundlich und unnatürlich zuvorkommend. Sie haben immer eine Antwort parat – zu meiner Frage passend oder nicht – und schlagen mindestens zwei weitere praktische Dienste vor, die sie mir erweisen können.
Damit erinnern mich KI-Chatbots an das, was ich in der Schule zu Impro-Theater gelernt habe: Ideen von Mitspieler*innen grundsätzlich anzunehmen und weiterzuentwickeln, ohne nachzudenken. Was für Theater funktioniert, frustriert mich im Umgang mit künstlicher Intelligenz extrem. Wenn ich um Feedback zum Einleitungskapitel meiner Bachelorarbeit bitte, möchte ich eine kritische Einschätzung dessen, was ich geschrieben habe. In 99 Prozent der Fälle verfehlt der Chatbot seinen Auftrag und gibt mir eine Antwort, die zwar mein Ego streichelt, mich aber nicht voranbringt. „Kannst du mal Klartext mit mir reden?!“, denke ich dabei viel zu oft.
Wirklich nett?
Nicht alle, aber die Mehrheit der Personen, mit denen ich gesprochen habe, schätzen den eifrigen und entgegenkommenden Ton der Chatbots, „ist doch nett“. Damit lässt sich auch gut über die kleinen Unaufmerksamkeiten und Fehler hinwegsehen, die manchmal erst beim dritten Lesen auffallen. Was sagt es über uns Menschen aus, dass wir künstliche Intelligenz dazu erzogen haben, uns nur das zu erzählen, was wir hören wollen? Wir haben ein Selbstwertproblem, warum sonst sollten wir so viel Zuspruch brauchen – und sogar von hirnlosen Maschinen so dankbar annehmen?
Ich frage mich, was das für unser Miteinander bedeutet. Werden wir uns im zunehmenden Umgang mit KI-Chatbots daran gewöhnen, dass unser Gegenüber unsere Perspektive immer „sehr interessant“ und „echt gut, wirklich!“ findet? Und was ist, wenn es das mal nicht tut?