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unterm strich

Gérard Depardieu steht zum ersten Mal wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht. Seit Jahren mehren sich Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen den 76-Jährigen, mittlerweile von rund 20 Frauen. Die Verhandlung war eigentlich für vergangenen Oktober geplant, wurde aber kurzfristig wegen gesundheitlicher Probleme des diabeteskranken Schauspielers verschoben. Es werfen ihm eine Dekorateurin und eine Regieassistentin vor, sie 2014 und 2021 bei Dreharbeiten von „Les volets verts“ (Die grünen Fensterläden) von Jean Becker und von „Le magicien et les siamois“ (Der Zauberer und die sia­mesischen Zwillinge) gegen ihren Willen gewaltvoll und mit obszönen Kommentaren angefasst zu haben, mitunter an Intimstellen. Die Schauspielerin Anouk Grinberg in „Les volets verts“ gibt an, dass Jean Becker über die sexuellen Übergriffe am Set Bescheid wusste. Becker weist die Vorwürfe, wie Depardieu selbst, zurück. Er ist einer von vielen berühmten Persönlichkeiten, die den Schauspielstar immer wieder öffentlich verteidigen, darunter Regisseur Bertrand Blier, Musikerin Carla Bruni und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Noch immer stößt die Me-Too-Bewegung im französischen Kino Beobachtern zufolge auf Grenzen von Machtstrukturen. Nun drohen Depardieu bis zu fünf Jahre Haft und eine Geldstrafe von rund 75.000 Euro. Der heutige Prozess ist Auftakt einer Reihe von Gerichtsverfahren. Ein weiteres droht ihm wegen des Vorwurfs der zweifachen Vergewaltigung der Schauspielerin Charlotte Arnould. Diese hatte schon 2018 Anzeige erstattet, noch immer laufen die Ermittlungen. Seit Februar wird außerdem wegen des Verdachts auf schweren Steuerbetrug und Geldwäsche gegen ihn ermittelt.

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