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Kirche, Kneipe und Konsum-Markt sind in vielen Orten Mecklenburg-Vorpommerns verschwunden. Antje Kesten will mit einem Ersatz neue Begegnungen schaffen: ihrer Wunschmaschine

Aus dem über zwei Meter hohen Holzkasten ragen Kabel. Ein Rohr ist daran angebracht, ein Tisch, ein paar Haken. Antje Kesten und Anett Simon haben zusammen mit weiteren Aktiven aus der Region eine Wunsch-Visualisierungs-Maschine gebaut und touren mit ihr von Supermarktparkplatz zu Wochenmarkt, von Festival zu Flohmarkt zu Bushaltestelle. Quer durch Mecklenburg-Vorpommern. Es ist ihr Beitrag zur Landtagswahl am 20. September.

Die Maschine funktioniert eigentlich ganz einfach: Man gibt einen Wunsch hinein, die Maschine „beleuchtet“ ihn gemeinsam mit dem oder der Wün­sche­r*in und am Ende wird der überarbeitete Wunsch auf Papier ausgegeben, sodass die Person ihn mit nach Hause nehmen kann. Zusätzlich laden Kesten und Simon dazu ein, die Wünsche bei Workshops gemeinsam auf Plakate zu drucken und am Ort der Wunschabgabe aufzuhängen.

Antje Kesten ist studierte Landschaftsarchitektin. Mit ihrem Ehemann führt sie die Scheune Krebsow mit einem kleinen Dorfladen, einem Café und offenen Werkstätten. Es gibt Ausstellungen, Tanz und Kino. Zur Scheune gehört auch das Atelier zwo.7, das Kesten mit Anett Simon betreibt. Kinder und Erwachsene können sich in der Keramikwerkstatt des Ateliers ausprobieren, man kann malen, drucken, zeichnen, buchbinden.

Kesten und Simon wollen damit nicht nur Kreativität fördern, sondern gleichfalls soziale Kompetenz und Miteinander. Um auch Menschen an anderen Orten in Mecklenburg-Vorpommern zu erreichen, die nicht nach Krebsow kommen, haben sie sich die Wunsch-Visualisierungs-Maschine ausgedacht. „Wir wollen gerade in diesen Tagen Menschen mit Humor, aber auch Ernsthaftigkeit zusammenbringen, mit sich selbst und anderen in Kontakt bringen“, sagt Kesten der taz am Telefon. Der erste Schritt sei dabei „wertfreies Zuhören“.

Kinder, erzählt Kesten, wünschen sich oft Konkretes wie eine Katze oder einen Fußball. Mittels der Maschine – und im Dialog mit den Wünschenden – arbeiten Kesten und Simon dann heraus, was dahinter steckt. Eine Katze? Vielleicht der Wunsch nach Nähe, Zuneigung, Geborgenheit. Fußball? Vielleicht gemeinsame Begeisterung. Indem die Macherinnen die Menschen erzählen lassen, unterstützen sie sie, sich selbst zu erforschen.

„Ganz unterschiedliche Menschen – das ist der Clou – haben ganz ähnliche Wünsche“, sagt Kesten. Zum Beispiel Sicherheit. Oder Gesundheit. Oder Frieden. „Oft fangen sie bei sich selbst an und landen dann auf der gesellschaftlichen Ebene.“

Kesten und Simon wollen keine schnellen Lösungen anbieten, sondern erst einmal ganz vorne anfangen: Orte schaffen, an denen Menschen zusammenkommen und darüber nachdenken, was sie sich eigentlich wünschen. „Die drei Ks: Konsum, Kirche, Kneipe gibt es in den meisten Dörfern nicht mehr.“ An diesen Orten kamen früher ganz automatisch unterschiedliche Menschen zusammen und ins Gespräch. Doch nach und nach wurden immer mehr dieser Räume geschlossen. „Deshalb redet man nicht mehr miteinander“, sagt Kesten. Und das entfremdet.

Die Wunsch-Visualisierungs-Maschine soll damit brechen. Auf humorvolle Art. Sie hat vier Abteilungen: Wunschannahme, Wunschbeleuchtung, Visualisierungsunterstützung und Wunschausgabe. „Man kann das gar nicht richtig ernst nehmen“, sagt Kesten. Humor als Brücke – und dann kommt doch etwas Ernstes heraus.

Auch wenn Kesten und Simon keine Lösungen anbieten: Gemeinsam mit den Menschen vor Ort überlegen sie, wie ihre Wünsche vielleicht verwirklicht werden können. Ein Beispiel: „Das Bedürfnis nach Sicherheit kann man über das Miteinander herstellen“, sagt Kesten. „In einem Dorf muss man doch zusammenhalten.“ Wenn sie helfen könnten, diesen Gedanken wieder zu stärken, wäre das ein gutes Ergebnis ihrer Arbeit.

Johanna Treblin

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