die wahrheit: die winde des sultans

Sein Lebtag lang litt unter seinen ganz furchtbaren Fleischfürzen der Sultan Engin mehr noch als seine Umgebung.

Sein Lebtag lang litt unter seinen ganz furchtbaren Fleischfürzen der Sultan Engin mehr noch als seine Umgebung. "Der Windige" wurde der Sultan auch genannt, weil er bei jeder Gelegenheit einen kräftigen Abwind fahren ließ, dessen widerlicher Gestank selbst den herrlichen Rosen im Palastgarten den Garaus machten.

"Die Welt, sie hält den Atem an, die Leute sind entsetzt", trällerten die Bänkelsänger der Unterstadt einen populären Schlager, der auch dem Sultan schon zu Ohren gekommen war. Eines Tages aber sprach seine alte Mutter die Worte: "Engin, du verwest ja innerlich!" Und so wurde das Amt des Großwesirs geschaffen. Der neue Großwesir Ibrahim aber schickte Boten mit Siebenmeilenschnabelschuhen hinaus in die Welt, ein Heilmittel gegen die brutalen Blähungen des Sultans zu finden.

Gelehrte und Heilkundige, Köche und Klempner aus aller Herren Länder reisten ins Reich des Sultans. Sie rührten Sude und Elixiere an - doch nichts half. Einer nach dem anderen entpuppte sich als Scharlatan und wurde vom Krummsäbel des Henkers um einen Kopf kürzer gemacht.

Allein der Großwesir blühte auf. Ibrahim verging sich an den Jungfrauen des Landes und trieb sie in den Tod, indem er drohte, sie dem furzenden Sultan zuzuführen. Noch heute ist am Altintop-Palast der "Furzturm" zu besichtigen, von dessen Zinnen sich die Jungfern herabstürzten. In einer Vollmondnacht aber beklagte am Fuße des Turmes eine junge Frau bitterlich den Tod ihrer Schwester.

Der Sultan war eben auf einem nächtlichen Verdauungsspaziergang, als er die Schöne erblickte. Wie funkelnde Steine des Mondes erschienen ihm ihre dunklen Augen, in denen sich alle Wohlgerüche des Paradieses spiegelten. Da rumpelte es bereits wieder in seinem Bauch. Das aber hörte Ayse, die ihren Kummer überwand und dem Unbekannten Befreiung von seinem Leiden anbot.

In der Palastküche mischte sie ein altes Hausmittel, das ihre Großmutter mit aus dem fernen Frankfurt gebracht hatte, wo sie lange in der Gastwirtschaft "Atschel" ausgeholfen hatte: ein Schweinebraten, sieben Kellerbiere und ein Schnaps namens "Kümmel". In das Gebräu gab sie noch 17 weiche Knoblauchzehen.

Doch gerade, als Ayse dem Sultan das köstliche Gebräu einflößen wollte, erschien der Großwesir mit seinem bewaffneten Gefolge, um Ayse zu verhaften, weil sie den Sultan angeblich vergiften wollte. Ayse aber wusste, dass gegen Gift nur Gift hilft, und schalt den Großwesir "ein Stück Scheiße im Schnabelschuh".

Der jedoch roch das feine Gemisch und riss es geil an sich, weil er einen Liebestrank vermutete. Gierig stürzte er es hinunter und begann mit den Derwischen zu tanzen, auf dass es schneller wirkte durch die Drehungen der heiligen Männer. Da erhob sich ein gewaltiges Brummen und Brodeln in seinem Bauch, und der Großwesir platzte.

Von der umherspritzenden braungelben Soße wurde des Sultans Mutter über und über bedeckt.Drei Tage dauerte die Reinigung der Mutter und des Palastes. Dann feierte das Volk seine neue Freiheit. Die Fleischfürze des Sultans waren längst vergessen. Denn der Knall hatte Sultan Engin schlagartig geheilt. Die Frau an seiner Seite aber sollte als Sultana Ayse in die Geschichte der Gewürze eingehen.

Die Wahrheit auf taz.de

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

ist die einzige Satire- und Humorseite einer Tageszeitung weltweit. Sie hat den ©Tom. Und drei Grundsätze.

kari

Wenn Sie bei der taz anrufen, bekommen Sie keine gewöhnliche Warteschleife zu hören. Bei uns liest die Wahrheit ihre Gedichte vor!

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben