die wahrheit: Schweinewhisky und Schafsmagen

Wozu impfen? Russische Fußballfunktionäre haben ein Wundermittel gegen die Schweinegrippe entdeckt: walisischen Whisky...

... "Wir beschwören unsere Fans, eine Menge walisischen Whisky als Desinfektionsmittel zu trinken", sagte Fanclubpräsident Alexander Shprygin, der auch dem Fußballverband angehört. "Das müsste eigentlich sämtliche Symptome der Krankheit beseitigen."

Hintergrund für den medizinischen Ratschlag ist das Qualifikationsspiel für die Fußballweltmeisterschaft 2010, zu dem die Russen am 9. September in Cardiff antreten müssen. Shprygin befürchtet, dass die russischen Fans zu Hause bleiben könnten, zumal das Gesundheitsministerium in Moskau davon abrät, nach Wales zu reisen. Gennady Onishchenko, der Chef der Gesundheitsbehörde, sagte: "Der Ausdruck von Emotionen beim Fußball beinhaltet lautes Rufen mit offenem Mund, so dass die Übertragung der Krankheit durch die Luft begünstigt wird." Das sei ein nützlicher Hinweis, findet Shprygin. "Aber für richtige Fans ist es wichtiger, dass es der Mannschaft gut geht. Die russischen Fans fürchten nichts und niemanden." Außerdem seien die russischen Anhänger ja von den Einheimischen im Stadion segregiert.

Das meint die walisische Tourismusindustrie auch. Sie führt die Medizinerin Jane Wilkinson ins Feld. "Das Ansteckungsgefahr ist extrem gering", behauptet sie. "Der Pegel der Schweinegrippe in Wales stimmt mit der üblichen Zahl von Grippeerkrankungen im Winter vollkommen überein." Man sollte ihr vielleicht einen Kalender schenken. Auch in Wales gilt der August nicht als Wintermonat.

In Großbritannien sind rund 130.000 Menschen an Schweinegrippe erkrankt. Onishchenko glaubt, die Angabe sei falsch: "Die Zahl der Infizierten könnte hunderte Male höher sein." Hunderte Male? Dann wäre die gesamte Insel bettlägerig. In Russland sind bisher 55 Fälle aufgetreten. Ist Wodka noch besser als walisischer Whisky?

Die Schotten, die von sich behaupten, den Whisky erfunden zu haben, lächeln ohnehin nur müde über die walisische Wunderdroge. Schließlich gibt es nur einen einzigen Whisky in Wales, und den auch erst seit fünf Jahren. Sein Name klingt allerdings wie ein Grippemittel: Penderyn.

Böse werden die Schotten jedoch, wenn man ihnen den Haggis, ihr anderes nationales Genussmittel, streitig machen will. Das Gericht besteht aus den Überresten eines Schafes, die mit Hafermehl vermischt im Schafsmagen gekocht werden. Der schottische Dichter Robert Burns hat auf diesen "Häuptling aller Wurstsorten" ein Gedicht verfasst. Die englische Lebensmittel-Historikerin Catherine Brown behauptet nun, Haggis sei englischen Ursprungs. Das sei in dem Buch "The English Hus-Wife" von 1615 belegt - also 171 Jahre vor dem Burns-Gedicht. Browns Äußerung hat nördlich der Grenze einen kollektiven Wutanfall ausgelöst. Warum streitet man sich bloß um die Urheberschaft dieses kulinarischen Albtraums? Mit Unmengen Whisky lässt er sich aber gut hinunterspülen. Sogar mit dem walisischen Grippemittel.

Die Wahrheit auf taz.de

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

ist die einzige Satire- und Humorseite einer Tageszeitung weltweit. Sie hat den ©Tom. Und drei Grundsätze.

Wenn Sie bei der taz anrufen, bekommen Sie keine gewöhnliche Warteschleife zu hören. Bei uns liest die Wahrheit ihre Gedichte vor!

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben