die wahrheit: Egliges aus der Nase

Wurm des Jahres: Der Tyrannobdella Rex und andere Monsteregel

Der Egel des Jahres ist zweifellos Tyrannobdella Rex, der in der Nase eines peruanischen Mädchens entdeckt wurde. Die Fachpresse bezeichnete den "Monsterblutegel" (Focus) dann kurz als T. Rex, was von seinem Namensgeber, dem Amerikanischen Forscher Mark Siddall, wohl auch so beabsichtigt war.

Der Tagesspiegel ernannte den Egel zum "König der Blutsauger", nachdem dieser dem neunjährigen Mädchen aus der Nase gezogen worden war. Mit den Worten "Muss man dir denn alles aus der Nase ziehen?" zog der behandelnde praktische Arzt das Tier heraus und warf es in den Rest des Whiskys, den er sich prophylaktisch vorher genehmigt hatte. So sicherte er der Wissenschaft den ersten in Alkohol eingelegten T. Rex.

Das von dem Monsteregel angegriffene bedauernswerte Mädchen hatte vorher über Kopfschmerzen und ein "Gleitgefühl" im rechten Nasenloch geklagt. Die beunruhigten Eltern hatten dann den "schwarzen Wurm" in der Nase des Wirts-Mädchen entdeckt. Der "Monsteregel" war immerhin 7 Zentimeter lang, ein ebenfalls betroffener sechsjähriger Junge hatte mehr Glück: Sein Nasenegel maß nur 25 Millimeter.

Wissenschaftler vermuten den Blutsaugerkönig ansonsten eher in den Nasen- und Mundöffnungen von Nagern, Ottern und Flussdelphinen. Vermutlich gerät der Egel beim Baden in die menschliche Nase, deshalb empfehlen Hals-Nasen-Egel-Ärzte auch, mit erhobenem Kopf zu schwimmen oder eine Nasenklemme zu verwenden.

Unser Egelkönig hat zwar nur acht Zähne (unser medizinischer Blutegel hat etwa zehnmal so viele), aber die bei T. Rex sind etwa fünfmal so groß wie bei anderen Egeln, stellt der entsetzte Egelforscher Siddall fest. "Gut möglich, dass damals ein Vorfahre unseres Egels in der Nase von Tyrannosaurus Rex war", fabuliert der famose Forscher. Ob T. Rex deshalb ausstarb? Man weiß es nicht.

Aber auch andere Egel können Schrecken verbreiten und nisten sich in empfindliche Körperöffnungen des Menschen ein, in Rektum oder Vagina. Letztes Jahr gelangte ein Egel einer Hobbygärtnerin in Australien in das Auge. "Er saß unter dem Oberlid!", berichtete der behandelnde Arzt Dr. Toby Fogg laut dem Boulevardblatt B.Z.

Das wusste schon der gute alte Brockhaus 1837, dass man im Umgang mit dem Egel vorsichtig sein sollte: "Nicht minder nachtheilig ist es, beim Trinken oder sonst unvorsichtigerweise einen Blutegel in das Innere des Körpers gelangen zu lassen."

Solche Unachtsamkeit ist natürlich ein Freifahrtschein in das Schlaraffenland der Egel.

Das sollten besonders diejenigen beherzigen, die zu medizinischen Zwecken beim Blutegelversand diese Tiere bestellen. Man bekommt sie bei einer Bestellung ab 200 Stück bereits für 4,09 Euro.

Der Egel im Einsatz saugt sich dann bis zum fünffachen seines Körpergewichts voll und benötigt dann bis zu einem Jahr keine Nahrung mehr. Die Fachliteratur berichtet allerdings, dass der Egel bereits nach einigen Monaten wieder saugwillig ist.

Besonders bei unserem T. Rex, dem "Blutegel mit Riesenzähnen" (n-tv) und seinen "Hauern" (T-Online) kann das für unsereins fatal sein.

Die Wahrheit auf taz.de

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

ist die einzige Satire- und Humorseite einer Tageszeitung weltweit. Sie hat den ©Tom. Und drei Grundsätze.

kari

Wenn Sie bei der taz anrufen, bekommen Sie keine gewöhnliche Warteschleife zu hören. Bei uns liest die Wahrheit ihre Gedichte vor!

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de