die wahrheit: Operation Wettertanne

Fanatische Anhänger zu Guttenbergs schlagen zurück.

Schwarzer Qualm steigt aus dem völlig zerbombten Gebäude auf, die leeren Fensteröffnungen grinsen höhnisch den in Panik davonstürmenden Mitarbeitern nach, nicht wenige stolpern über die auf der Straße herumliegenden zersplitterten Fensterscheiben und Trümmerteile. Tripolis, Tobruk, Bengasi? Nein - Schauplatz dieses verheerenden Luftschlags ist Bayreuth, das brennende Gebäude ist die juristische Fakultät der Universität.

Fanatische Anhänger des zurückgetretenen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg haben in einem Überraschungsangriff Bundeswehrdepots gestürmt und ein beachtliches Waffenarsenal sowie drei Kampfhubschrauber erbeutet. Und sie haben den ersten "Ort der Schmach" ihres Idols mit einem chirurgischen Präzisionsbombenangriff ausgelöscht. "Und weitere werden fraglos folgen!", verkündet Carsten Plettmeyer auf der ersten Pressekonferenz vor der versammelten Weltpresse. Der Oberkommandierende der Freiwilligenarmee, die sich nicht weniger als die Unabhängigkeit Bayerns auf die Fahnen geschrieben hat, gibt in seinem maßgeschneiderten Fieldjacket aus feuerfestem Kaschmir eine glänzende Figur ab. "Das sind wir dem Freiherrn einfach schuldig."

Die Meldungen aus Bayern überschlagen sich, bringen aber keine Klarheit. Ob die Bundesregierung oder ob die Aufständischen in diesen Tagen erfolgreicher sind, lässt sich schwer beurteilen. Klar ist nur: Der Guttenberg-Clan hat sich in der Heimatgemeinde eingeigelt und arbeitet fieberhaft an einer Neuordnung Deutschlands.

Mag Guttenberg auch das Verteidigungsministerium entglitten sein - Oberfranken und große Teile Bayerns hat er weiterhin fest im Griff. Dort hat der Liebling der Massen seine traditionelle Machtbasis. Für Jahrhunderte war der Ort Guttenberg ein weißer Fleck auf der politischen Landkarte der Welt. Niemand wusste wirklich, was im Inneren der Gemeinde vorging. Der Volksaufstand hat jetzt erstes Licht in das Dunkel gebracht: Mit den Einnahmen aus dem Bierexport hat der Freiherr sich schon vor dem Beginn des Aufstands die Loyalität der Bürger zu erkaufen versucht - und die Kämpfer rekrutiert, mit denen er die Unabhängigkeit Bayerns von Restdeutschland erzwingen will. Aber selbst wenn jüngste Schätzungen zutreffen, nach denen immer noch bis zu achtzig Prozent der deutschen Biervorräte in den Händen seiner Gegner sind, wird den Guttenbergs das Geld nicht so schnell ausgehen. Nach Schätzungen übertrifft der zweistellige Milliardenbetrag, den der Freiherr und seine Vertrauten bisher beiseite geschafft haben, deutlich alle landläufigen Vorstellungen.

Für viele Oberfranken beginnt die neue Zeitrechnung am 5. März. Da begannen die Menschen im ganzen Land für Guttenberg zu demonstrieren. Binnen weniger Tage liefen mehrere Einheiten der Bundeswehr zu den Freischärlern des Freiherrn über. Ihr angekündigter Marsch auf Berlin lässt aber weiter auf sich warten.

Die Aufständischen scheinen sich entschlossen zu haben, erst einmal die Brauereien im Westen des von ihnen kontrollierten Gebietes zu erobern - und so die wichtigste Einnahmequelle zu sichern. Am Wochenende nahmen sie mit viel Mut den Bierhafen von Bamberg im Sturm. Wenig hilfreich aber war das Angebot aus Baden-Württemberg, ihnen notfalls mit einer militärischen Intervention beizustehen: Das nährt bei vielen Oberfranken den Verdacht, Ministerpräsident Mappus gehe es nicht um Demokratie, sondern ums bayerische Bier. Offiziell lehnt die neue politische Führung in den schon befreiten Teilen Bayerns deshalb jedes militärische Eingreifen befreundeter Regionen ab. Man will den Sieg aus eigener Kraft erringen. Intern jedoch macht sich jedoch die Einsicht breit, dass die eigenen Kräfte zu schwach sind.

Die zu den Aufständischen übergelaufenen Offiziere bekennen offen, ihre Einheiten könnten mit dem modernen Waffenarsenal der Bundeswehr nicht fertig werden. Die oberfränkischen Wettertannen verfügen zwar über eine gute Moral und perfekt sitzende Uniformen, haben aber meist ältere Waffen - und bis Berlin einen Marschweg von mehr als 400 Kilometern vor sich. Deshalb sieht sich das freiherrliche Regime gezwungen, mit viel Geld Söldner aus aller Herren Länder herbeizulocken. Militärexperten schätzen, dass mittlerweile bis zu 6.000 Söldner in Guttenbergs Diensten stehen. Mit dieser immensen Verstärkung sollte es möglich sein, den zweiten Ort der Schmach - die Staatsanwaltschaft Hof - endgültig vom Erdboden zu tilgen.

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