die Wahrheit: Zwinker-Zwinker, Knick-Knack

Ein Adventskranz musste schleunigst her, denn mit Schrecken hatte ich bemerkt, dass bereits der dritte Adventssonntag verstrichen war und Weihnachten schon ziemlich nahe vor der Türe stand.

Ein Adventskranz musste schleunigst her, denn mit Schrecken hatte ich bemerkt, dass bereits der dritte Adventssonntag verstrichen war und Weihnachten schon ziemlich nahe vor der Türe stand. Ich aber hatte noch keine Kerze angezündet, kein Lied gesungen und keinen Glühwein getrunken - dabei mag ich es doch gern besinnlich.

Also nichts wie hinein in die Friedhofsblumenhandlung, die sich auf Kränze und Gebinde aller Art versteht wie keine zweite. Der asiatische Blumenhändler bediente jedoch erst einen Herrn im besten Alter, der kurz vor mir in den Laden geschlüpft war und nun auf einen großen Blumenstrauß deutete, den er kaufen wollte. Kaum hatte er jedoch sein Begehr geäußert, da hob der Verkäufer seinen Blick und lächelte den Kunden zweideutig an. Er hielt den Blick ein paar Sekunden, bevor er langgezogen fragte: "Füüüür weeeen?" Der Kunde antwortete etwas verdattert: "Für meine Freundin."

Nun kicherte der Asiate verschwörerisch und drohte dem Käufer leicht mit dem Finger und zwinkerte: "Für die Freundin, ja?" Der Mann bestätigte das. Langsam begann der Verkäufer, den Strauß einzupacken. Dabei murmelte er glucksend: "Für die Freundin …" Plötzlich hielt er in seiner Arbeit inne und fragte den Kunden: "Wie viele Freundinnen haben Sie?" - "Äh, nur eine". Der Kunde war nun sichtlich verlegen und überrumpelt, doch er hatte keine Zeit, sich wieder zu fangen, denn der Asiate beugte sich jetzt weit zu ihm hinüber, zwinkerte ihm ein paarmal zu und sagte: "Nur eine ist nicht gut, müssen sie mehr haben, mindestens drei." Und abermals zwinkerte er und stieß dem Mann, der jetzt sichtlich zwischen Verblüffung und Empörung schwankte, kumpelhaft den Ellbogen in die Seite.

Mir kam es vor, als hätte ich die Szene schon einmal erlebt, ein richtiges Déjà-vu hatte ich. Dann fiel es mir ein: Ich erlebte hier gerade den kleinen Bruder des großartigen Monty-Python-Sketches, in dem eine Nervensäge den Gast eines Lokals über dessen Sex mit seiner Frau ausfragt: "Ein bisschen Nicken oder Zwinkern und heftig an der Hüfte klimpern. Sie wissen schon, sie wissen schon, grins, grins, zwinker, zwinker, knick-knack, knick-knack."

Gleich würde der Asiate den Käufer fragen: "Ist ihre Freundin eine Flunder? Sie wissen schon, sie wissen schon, also flundert sie? Knick-knack." Doch er packte den Strauß ein und wiederholte mehrfach: "Eine Freundin viel zu wenig, ein starker Mann hat Kraft für drei. Mindestens drei." Der Mann trat nun leicht nervös von einem Bein auf das andere und schien sehr froh, als er endlich bezahlen und mit seinem einen Blumenstrauß für seine eine und einzige Freundin den Laden verlassen konnte. "Drei! Mindestens!", rief ihm der Verkäufer noch hinterher, doch der Kunde hatte längst das Weite gesucht.

Nun wandte der Asiate sich grinsend und kopfschüttelnd mir zu, sagte verständnislos: "Eine Freundin …", und tippte sich an die Stirn. Dann fragte er mich in geschäftlichem Ton: "Und was wollen sie?" Und wie aus der Pistole geschossen antwortete ich: "Drei Adventskränze! Mindestens! Knick-knack!"

Die Wahrheit auf taz.de

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

ist die einzige Satire- und Humorseite einer Tageszeitung weltweit. Sie hat den ©Tom. Und drei Grundsätze.

kari

Wenn Sie bei der taz anrufen, bekommen Sie keine gewöhnliche Warteschleife zu hören. Bei uns liest die Wahrheit ihre Gedichte vor!

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de