berliner szenen: Auf der Suche nach mehr Sonne
Es war ein Sonntag voller Erlebnisse, obwohl ich nicht einmal vor der Tür war.
Nach dem Frühstück repariere ich zuerst zwei Stühle und einen kleinen Tisch auf dem Balkon. Und weil ich schon den Akkubohrer zur Hand habe, mache ich aus Holzresten einen Rahmen und male ihn blau.
Weiter geht’s: Ich versuche einen Teller zusammenzukleben, der mir kaputtgegangen war, und verliere dabei die Nerven. Die Teile gehen immer wieder auseinander. Wahrscheinlich ist das Vorhaben auch sinnlos. Ich habe nie ein Händchen für solche Sachen gehabt, doch ich bin motiviert. Mit Radio im Hintergrund, ohne Handy, ohne Rechner. Das hat für mich gleich ein Kindheitsflair. Damals aber waren fast immer die Männer diejenigen, die etwas reparierten (oder das Auto wuschen), im Radio lief Fußball und die Luft roch nach gegrilltem Fleisch, wie es sonntagmittags in Argentinien immer riecht.
Dann mache ich mit Kräutern und Blumen den Balkon reif für den Frühling. Als auch das fertig ist, widme ich mich einer Frage, die mich seit Tagen beschäftigt: Wie kann ich mehr Sonne in meine Wohnung kriegen? „Du brauchst Spiegel, um das Licht zu reflektieren“, sagte mir eine Freundin. Fast wie ein Wunder wurden ein paar Tage später auf der Baustelle gegenüber meinem Haus die Fenster installiert. Spätnachmittags funktioniert das Glas wie ein Spiegel und ich bekomme ein paar extra Sonnenstrahlen in einige Ecken des Wohnzimmers.
Ich möchte aber mehr. Deshalb suche ich noch Gegenstände, die als Reflexionsfläche dienen könnten, und mache mir einen Plan, wo und wann ich sie zu diesem Ziel nutzen kann. „Wie ein Sonnenlabor“, schreibt mir die Freundin. „Genau“, sage ich, obwohl ich mir selbst eher wie ein verrückter Wissenschaftler in einem schlechten Film vorkomme. Luciana Ferrando
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