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berliner szenenFürdie Spardose

Freitagnachmittag, und in der U9 ist es voll. Eine Frau hält ihre Kinder auf dem Schoß. Der Junge ist etwa vier, das Mädchen sechs Jahre alt. Sie wirken herausgeputzt. Das Mädchen trägt weiße Strumpfhosen unter der Jacke, der Junge neue Schuhe und die Mutter einen Mantel.

Die Türen gehen auf, Menschen schieben sich hindurch. Zwei Männer mit Hund trinken Bier. Ihre Kleidung wirkt abgetragen und schmutzig, einer trägt einen langen Bart. Vielleicht obdachlos, überlege ich.

Der Junge patscht gegen die Stange und ruft „Hundie, Hundie“. Der mit dem Bart wird aufmerksam. „Bouncer, komm ma rum hier.“ Er führt den Hund zu den Kindern, die ihn begeistert streicheln. Das Gesicht der Mutter ist bemüht freundlich. Der Mann bewegt die Ohren des Hundes und imitiert dazu eine Stimme. Es riecht nach Bier. Die Kinder lachen.

„Wie heißt ihr zwei denn?“ Der Mann kramt in seiner Hosentasche. „Emily und Marvin“, antwortet die Mutter knapp. Der Mann schaut auf ein paar Münzen in seiner Hand und steckt jedem Kind ein 2-Euro-Stück zu.

„Hier. Für die Spardose. Oder wat Süßes, wenn Mama das erlaubt.“ Der Kleine strahlt und ruft ganz laut „Dankeschön.“ Das Mädchen schaut die Mutter an.

„Entschuldigung, aber das geht nicht. Das können wir nicht annehmen.“ Die Stimme der Mutter kickst schrill. Auf ihrem Hals sind rote Flecken.

„Keine Ursache. Mach ick gern.“

„Ist nett, aber das ist nicht nötig.“ Sie nimmt den Kindern das Geld aus der Hand und hält es ihm hin. „Nehmen Sie.“

„Nee, echt“, wiederholt er, sieht ihren beschämten Gesichtsausdruck und nimmt das Geld wieder zurück. Sein Blick ist verletzt. Ihrer ebenso. Am nächsten Halt winkt er den Kindern noch mal zu, dann steigen sie aus. Isobel Markus

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