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Archiv-Artikel

Zehn Jahre taz-Geschichte in Nordrhein-Westfalen – die Serie. Folge 4: Das Jahr 2000 – eine taz für köln Zum Millenium die taz für die Domstadt

Ein Reprint der Neuen Rheinischen Zeitung gehörte zu den Einstandsgeschenken, über die sich die Kölner Redaktion der taz freuen durfte, als sie im Mai 2000 ihr Büro in der Pipinstraße bezog. Und irgendwie passte das ja auch: Schließlich hatte die Revolutionszeitung ebenfalls „mit fast gar keinen Geldmitteln angefangen“ (Friedrich Engels) – und ebenso galt es für die taz in Köln, der Obrigkeit zu trotzen. Immerhin herrschten – und herrschen – in der Domstadt noch feudalistische Verhältnisse, jedenfalls im Medienbereich: Der greise Pressezar Alfred Neven DuMont regierte mit eiserner Hand.

Anders als die taz-Redaktion im Ruhrgebiet war die Kölner taz eine Gründung „von oben“: Die taz-Zentrale hatte sich Ende 1999 zu dem Experiment entschlossen, eine wöchentliche NRW-Beilage mit regionalen Fenstern erscheinen zu lassen. Eine Chance auf Gelingen könne es für dieses gewagte Unterfangen nur geben, so glaubten die Berliner taz-Gewaltigen seinerzeit nicht unbedingt zu Unrecht, wenn dabei auch die einzige Millionenstadt des Landes „bespielt“ würde.

In der Pipinstraße wurde zum „Sound of the City“ der größten Stadt in Nordrhein-Westfalen gearbeitet: Vor dem Fenster einer stets gut belebte Haltestelle und einer lärmenden Autostraße dahinter. Aber dafür befand sich einst das Redaktionsbüro der Neuen Rheinischen Zeitung, an das heute eine Erinnerungsplakette erinnert, nur einen Steinwurf vom taz-Büro entfernt. Das einst von Karl Marx redigierte Blatt erschien am 19. Mai 1849 das letzte Mal. Nur knapp ein Jahr lang hatte die Redaktion durchgehalten. Mutig schrieb sie in dieser Zeitgegen Fürsten und für die Demokratie, doch dann blieb nichts als die Flucht aus Köln – trotz der acht Bajonettgewehre, die im Büro gelagert hatten. Die Redakteure mussten, wie Redakteur Friedrich Engels feststellte, „unsere Festung übergeben, aber wir zogen ab mit Waffen und Bagage, mit klingendem Spiel und mit der fliegenden Fahne der letzten, roten Nummer“.

Immerhin: Die taz köln hielt über fünf Jahre durch, bis sie ins Düsseldorfer Exil flüchten musste.

PASCAL BEUCKER

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