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Was schützt Leichtathletinnen wirklich?

Vor der Weltmeisterschaft in Tokio verteidigt Weltverbandspräsident Coe den Geschlechtertest. Fast alle Frauen haben sich der Prozedur schon unterzogen

Mehr als 95 Prozent aller Teilnehmerinnen haben den verpflichtenden Gentest vor Beginn der Leichtathletikweltmeisterschaften nach Angaben des Weltverbandes absolviert. Wie World Athletics wenige Tage vor dem Start der WM in Tokio weiter mitteilte, sollen die restlichen Tests in der japanischen Hauptstadt vor Beginn der Wettkämpfe vorgenommen werden. Dies betreffe die Teams aus Frankreich und Norwegen sowie einige in Frankreich ansässige Athletinnen.

Weltverbandspräsident Sebastian Coe dankte den Mitgliedsverbänden und verteidigte die Tests erneut. Sie seien die „Antwort auf ein Prinzip, an das wir alle fest glauben. Und dies ist, die Frauen-Kategorie zu schützen“, äußerte der 68 Jahre alte Brite nach einer Council-Sitzung von World Athletics in Tokio. Während der Titelkämpfe sollten Rückmeldungen zu den Tests gesammelt werden, um das weitere Vorgehen ab 2026 zu bestimmen.

Bei der WM vom 13. bis 21. September dürfen nur Sportlerinnen starten, die sich einem sogenannten SRY-Gentest zur Bestimmung des biologischen Geschlechts unterzogen haben und das Ergebnis „weiblich“ vorweisen. Der Test soll per Wangenabstrich oder Blutabnahme das Vorhandensein des Y-Chromosoms feststellen.

Während Coe zuletzt auch darauf verwies, dass der Beschluss für die Tests bereits im März gefasst worden sei, hatte sich die deutsche Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo am Montag kritisch geäußert. Die Tests hätten sehr kurzfristig organisiert werden müssen. Zudem blieben sehr viele Fragen offen, das Themenspektrum in dieser Frage sei größer. Das könnten aber Humangenetiker, Ärzte oder Forscher besser erklären als sie, sagte Mihambo. Von Ärzten wird etwa kritisiert, dass das Vorhandensein eines Gens noch nichts über seine Funktionsfähigkeit aussagt. (taz, dpa)

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