Was leisten Campusmedien?

Was die Uni bewegt

Beim FURIOS-Magazin an der Freien Universität lernen junge Aspirant*innen das journalistische Handwerk.

Bild: FURIOS

von Julian von Bülow

Während Jette nach drei Stunden Sitzung erschöpft aus dem Saal des Studierendenparlaments schlurft, versucht Elias, den Besuch bei der Samenentnahme eines Hengstes der Veterinärmediziner*innen dingfest zu machen: Arbeitsalltag angehender Journalist*innen.

Jette und Elias sind Ressortleiter*innen und zwei von etwa 193.000 Studierenden in Berlin. Weil das so viele sind, berichten Journalist*innen in der Hauptstadt nicht nur aus dem Bundestag, sondern auch aus dem Hörsaal: Statt für Springer, taz oder ZDF schreiben die beiden Artikel für die FURIOS, das unabhängige Campusmagazin der Freien Universität. Sie bringen Licht in den Exzellenzforschungsdschungel; stellen universitäre Forschung vor, berichten über Zoff im Studierendenparlament oder rezensieren studentische Kulturprojekte.

Jede Woche kommen Studierende aller Studiengänge zur offenen Redaktionssitzung zusammen. Dort erhalten Autor*innen eine Kritik zu ihren Artikeln. War es sinnvoll, den Veranstaltungsbericht über Eva Illouz‘ Vortrag über die Liebe chronologisch aufzubauen? Wer kann nächste Woche bei der Liveberichterstattung der FU-Klimastreikwoche tickern? Diese Fragen stellen die Ressortleiter*innen und machen Vorschläge für neue Artikel und vergeben sie an Neugierige, die selbst die Medienlandschaft Berlins – oder wenigstens Dahlems – beackern möchten.

Investigationen an der Uni

178 Studiengänge, etwa 33.000 Studierende und ein Haushalt im Umfang von rund 560 Millionen Euro bereiten allein an der FU immer wieder den Boden für Streit und spannende Geschichten. So deckte ein Autor der FURIOS im August auf, dass die FU Teile ihres Stiftungsvermögens in Fonds anlegte, die in Kohle-, Öl- und Nuklearwaffenkonzerne investierten. An der Humboldt Universität fand die UnAuf 2017 heraus, dass Mitglieder des HU-Referent*innenrates die Amtszeitbegrenzung aushebelten und satzungswidrig Aufwandsentschädigungen ausgezahlt bekamen.

Derzeit arbeiten die Campusmagazine und das studentische Radio CouchFM gemeinsam mit dem Recherchezentrum Correctiv daran, wie die Hochschuldemokratie gestärkt werden kann.

Journalistisches Handwerk erlernen

Damit solche Recherchen Früchte tragen, müssen die Studierenden zuerst das Handwerkzeug erlenen: Wie stelle ich Presseanfragen? Wie schreibe ich Texte so, dass Leser*innen auch nach dem ersten Satz noch dranbleiben und wie bereite ich Artikel für die sozialen Medien auf? Natürlich passieren bei den ersten journalistischen Gehversuchen auch Fehler.

In der FURIOS-Redaktion verwendete jemand im Sommer 2017 ein Bild von einer Fotoplattform für eine Albumrezension. Das Bild war als rechtefrei deklariert, doch es war urheberrechtlich geschützt. Eine Anwaltskanzlei mahnte die Redaktion ab und verlangte von ihr eine vierstellige Summe. Daraufhin war das Konto der Campusjournalist*innen leer und die Veröffentlichung des halbjährlich erscheinenden Heftes stand auf der Kippe. So würde erstmals seit der Gründung 2008 in einem Semester kein FURIOS-Heft erscheinen.

Die Zukunft von FURIOS ist gesichert

Dass Campusjournalismus nicht nur ein von etablierten Journalist*innen stiefmütterlich behandelter Sandkasten für Jungjournalist*innen ist, sondern durchaus wertgeschätzt wird, konnte die Redaktion diesen Dezember erfahren: Innerhalb von nur drei Tagen konnte die FURIOS infolge eines Spendenaufrufs über 2.600 Euro sammeln.

„Profitieren werden davon alle“, so Antonia Böker, Chefredakteurin der FURIOS. „Die Studierenden lernen weiterhin das journalistische Handwerk, die Hochschulgemeinschaft behält ihr einziges studentisches Campusmagazin und durch uns gelangen vielleicht auch Archäologinnen oder Ingenieure in die Medienbranche. Das sorgt für mehr Perspektiven im Journalismus.“