Video der Woche: Wie Google das Jahr 2010 sieht

Die letzten Tage des Jahres sind mit langweiligen Jahresrückblicken gepflastert. Dass es auch unterhaltsam, in drei Minuten und ohne B-Promis geht, beweist Google.

Schnell gesehen, schnell vergessen? Szene aus "Google Zeitgeist 2010". Bild: screenshot youtube

"Zeitgeist 2010" heißt Googles Jahresrückblick - das trifft es ganz gut. Denn das auf Googles Plattform YouTube eingestellte Video konzentriert sich bei den präsentierten Ereignissen des vergangenen Jahres vor allem auf eines: wonach die Menschen in Googles Suchmaschine gesucht haben.

Daher beginnt das Video auch in der Suchansicht. Verschiede Krisen des Jahres werden in Erinnerung gerufen. Zum Beispiel, die Europäischen Finanzkrisen und die Auseinandersetzungen in Thailand. Auch Erfindungen und Fortschritte werden präsentiert – etwa die erste Gesichtstransplantation und das Burj Khalifa - der Wolkenkratzer in Dubai.

Natürlich bleiben auch die Katastrophen nicht unerwähnt. Schon bevor ein einziges Bild von der Ölpest gezeigt wird, weiß der Zuschauer worum es geht: Im Video wird in Google Maps nach Koordinaten gesucht. Als die Ansicht herauszoomt und die rote Stecknadel inmitten des Golfes von Mexiko zu sehen ist, hat jeder bereits die Erinnerungen im Kopf. Die danach folgenden Bilder sind eigentlich überflüssig.

Spätestens gegen Mitte des Videos fällt jedoch auch auf, dass viel versteckte Google-PR im Clip enthalten ist. Sicherlich ist es kein Zufall, dass die neu eingeführte "Priority Box" von GoogleMail auftaucht, als es gerade um "neue Helden" geht. In den Sekunden nach ihrem Erscheinen häufen sich die als Rahmen präsentierten Google-Produkte.

Unterm Strich sei dies jedoch verziehen, wegen dieses Videos wird wohl kaum jemand verstärkt auf Google-Produkte zurückgreifen. Vielmehr ist der Spot künstlerisch wertvoll, weil er nicht alles durchkaut, sondern Raum für eigene Assoziationen und Erinnerungen lässt. Die Eile, mit der von einem Thema zum anderen gesprungen wird, verhindert diesen Raum nicht, sondern sie befördert ihn sogar noch.

Besonders deutlich wird das am Ende. Dort wird im Stile der Google Instant Suche (ein weiteres 2010 eingeführtes Google-Produkt, das nicht ganz zufällig erwähnt wird) eine Reihe von Schlagwörtern präsentiert. Wikileaks, Eyjafkalajokull und Liu Xiaobo sind etwa zu lesen. Mehr zu diesen Themen gibt es nicht. Ein simples, aber doch ausdrucksstarkes Stilmittel.

Google kann durchaus lustig sein: Der Telefonanruf nach Südafrika geht im Vuvuzela-Getröte unter. Untermalt wird der Clip sonst jedoch von wohltuenderen Tönen, mit dem Song "Good Life" von One Republic. Auch diese Wahl stellt eine Botschaft dar: Trotz aller Tragödien war es im Grunde ein gutes Jahr, leben wir alle ein gutes Leben. Bleibt nur eine Frage: "2011: What's next?"

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