Verendete Greifvögel: Giftanschlag auf Adler

Seit Jahren versuchen Seeadler, sich im Landkreis Rotenburg anzusiedeln. Aber immer wieder verschwinden sie plötzlich. Einige der Tiere wurden gefunden - offenbar vergiftet.

Einer von vielen: Toter Seeadler. Bild: UNTERE NATURSCHUTZBEHÖRDE

Mehrere Seeadler sind im Landkreis Rotenburg in den vergangenen Jahren auf unnatürliche Weise zu Tode gekommen. "Vieles spricht dafür, dass die Tiere vergiftet worden sind", sagt Jürgen Cassier, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde. Nach dem jüngsten Fund ermittelt der Staatsanwalt.

Anfang August entdeckte ein Jäger einen toten Seeadler. Da das zweijährige Männchen keine äußeren Verletzungen hatte, veranlasste das Rotenburger Kreishaus eine Obduktion. Das Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin fand zwar keine eindeutigen Hinweise auf eine Vergiftung. "Aber der vergrößerte Kehlkopf lässt den Schluss zu, dass der Adler im Todeskampf versucht hat, Nahrung herauszuwürgen", erklärt Cassier. Jetzt sind Spezialisten aus Wien dabei, die Leber des Greifvogels zu untersuchen. Um anschließend gezielt ermitteln zu können, hofft Polizeisprecher Detlev Kaldinski, dass die Österreicher den genauen Giftstoff herausfinden.

Weil die Seeadlerreviere vor allem in Ostdeutschland gut besetzt sind, wandern vermehrt Vögel nach Niedersachsen ein. Immer wieder tauchen sie auch im großflächig wiedervernässten Ekelmoor bei Sittensen auf. "Ein ideales Habitat. Wir beobachten hier seit Jahren Versuche der Ansiedlung", sagt Eckehard Bühring von der Arbeitsgemeinschaft Adlerschutz Niedersachsen. Immer seien die Adler aber plötzlich wieder verschwunden. "Wir vermuten, dass das mit Gift zu tun hat", sagt Bühring. Weil Seeadler gerne Aas fressen, sind sie mit Ködern recht einfach zu töten.

Der jüngste Fund im Bereich des Ekelmoores ist kein Einzelfall. Seit 1998 sind in der Region sieben anscheinend vergiftete Seeadler entdeckt worden, dazu ein Uhu, drei Rotmilane, drei Bussarde und etliche Füchse. Und die Dunkelziffer ist vermutlich groß. Damit das Treiben bald ein Ende hat, hat die Arbeitsgemeinschaft Adlerschutz Niedersachsen dazu aufgerufen, alle verendeten Greifvögel der Polizei zu melden. "Der Kadaver sollte aber am Fundort belassen werden. Das erleichtert die Ermittlungen", sagt Bühring.

Ähnliche Vorfälle hat es laut Cassier in Brandenburg gegeben. Dort seien in den vergangenen fünf Jahren 18 vergiftete Seeadler gemeldet worden. In diesem Juli sei erstmals das Lockmittel aufgetaucht - der Rest eines Schweines, verseucht mit dem Kontaktgift Aldicorp.

Trotz der Nachstellungen nimmt die Zahl der Seeadler weiter zu. In Schleswig Holstein waren in diesem Jahr knapp 60 Horste besetzt. In Niedersachsen wurden 22 Paare gezählt - fünf mehr als 2007.

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