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„Verbrechen gegen die Menschheit“ –betr.: „Kommt Pinochet doch noch vor Gericht?“, „Ein Anwalt will „das Monster zu Fall bringen“, taz vom 19.10.98

In den Berichten heißt es, Pinochet würden „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ vorgeworfen. „Menschlichkeit“ ist eine Eigenschaft, die wir üblicherweise milde zensierenden Lehrern oder Professorinnen, freundlichen Ärztinnen oder Krankenpflegern zuschreiben. Fehlt sie, ist das nicht schön, aber auch nicht so schlimm. Ich frage mich, wann endlich JournalistInnen, bei denen ich wider alle Erfahrung ein geschärftes Sprachbewußtsein vermuten möchte, dazu übergehen werden, bei systematischer Folter und staatsterroristischen Massenmorden von „Verbrechen gegen die Menschheit“ zu sprechen. Die Philosophin Hannah Ahrendt hat die verniedlichende, hierzulande leider üblich gewordene Bezeichnung für Menschheitsverbrechen schon vor über 30 Jahren kritisiert (“Eichmann in Jerusalem“) und oben genannten Ausdruck vorgeschlagen. Pech, wenn so etwas keiner mehr liest. Martin Rath, Langenfeld/Rhld.

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