Umweltaktivist Michael Frein: "Ich lasse den Sekt im Kühlschrank"

Die wichtigste Frage im Kampf gegen Biopiraterie wurde nicht beantwortet, meint Umweltaktivist Michael Frein.

taz: Herr Frein, Deutschland hat am Mittwoch bei der UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt Fortschritte im Kampf gegen Biopiraterie verkündet. Was halten Sie davon?

Michael Frein: Es gibt keinen Durchbruch zu feiern. Die wichtigste Frage haben die Staaten in Bonn nicht beantwortet: Wollen wir verbindliche oder nur freiwillige Regeln zur Verteilung der Gewinne, wenn etwa ein Pharmakonzern aus einem Industriestaat Heilpflanzen aus einem Entwicklungsland nutzt? Deshalb lasse ich den Sekt im Kühlschrank.

Laut Umweltminister Sigmar Gabriel wurde in Bonn ein klares Verhandlungsmandat festgezurrt, um bei der Folgekonferenz 2010 ein Regelwerk zu verabschieden.

Die Einigung hat die gleiche Sprache wie frühere Mandate. Schon damals hieß es, dass die Länder zwar einen Beschluss wollen. Aber genauso wie heute haben sie sich nur darauf festnageln lassen, dass es verbindliche und unverbindliche Elemente in dem Text geben soll. Diese Formulierung lässt alles offen.

Wer verhindert denn echte Fortschritte?

Vor allem Kanada und Japan. Hintergrund ist wohl, dass die Kanadier gerade zusammen mit den USA weltweit untersuchen lassen, welche genetischen Ressourcen es in Entwicklungsländern gibt. Dabei wollen sie sich nicht stören lassen.

Wer sind die Verlierer dieser Verhandlungen?

Vor allem die Ureinwohner in Entwicklungsländern. Bei den Indigenen kommt heutzutage - wenn überhaupt - kaum etwas von den Millionengewinnen an, die die Wirtschaft des Nordens mit ihrem traditionellen Wissen macht. Die freiwilligen Regeln, die wir schon haben, reichen eben nicht.

Gabriel hat als Ziel der Bonner Konferenz nur formuliert, die Struktur des Textes festzulegen, den die Länder 2010 beschließen wollen. Hat Ihnen das gereicht?

Über die Substanz haben die Staaten noch kein einziges Wort verloren. Die wirklich wichtigen Fragen wurden gar nicht richtig angesprochen: die Rechte der indigenen Völker, der Schutz traditionellen Wissens, das Patentrecht und ob es ein Herkunftszertifikat geben soll, das Diebstahl traditionellen Wissens erschweren könnte.

INTERVIEW: JOST MAURIN

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de