: Trotz Bund und Betriebsrat
Die Unicredit hofft auf eine baldige Kontrolle über die Commerzbank
Die italienische Großbank Unicredit stellt sich auf eine baldige Kontrollübernahme bei der Frankfurter Commerzbank ein. Die Genehmigungen der Aufsicht für das vor wenigen Wochen abgelaufene Übernahmeangebot könnten bereits im vierten Quartal erfolgen, teilte die Unicredit in einer Präsentation zu ihren Halbjahreszahlen in Mailand mit.
So muss die EZB dem Vollzug zustimmen. Die Italiener wollen dann versuchen, die Kontrolle über die Commerzbank durchzusetzen und ihre Strategiepläne „kurz danach“ zu verwirklichen. Um dies zu erreichen, werde sie – falls nötig – eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Die Unicredit hatte mit einem freiwilligen Übernahmeangebot bis Anfang Juli weitere rund 17,6 Prozent der Commerzbank-Papiere an Land gezogen. Zusammen mit den 26,77 Prozent, die die Unicredit schon zuvor hielt, steigt der Anteil damit rechnerisch auf 44,37 Prozent. Zudem haben die Italiener über Kaufoptionen Zugriff auf weitere 3,22 Prozent der Commerzbank-Aktien und könnten so auf 47,59 Prozent aufstocken. Dem muss aber noch die Europäische Zentralbank als Aufsichtsbehörde zustimmen.
Allerdings wehrt sich nicht nur die Commerzbank-Leitung gegen die Übernahme. Auch Politik und Betriebsrat lehnen Gespräche mit Unicredit ab. „Wenn wir Betriebsräte hier als Verhandlungspartner genannt werden, liegt die UniCredit leider falsch“, sagte Commerzbank-Betriebsratschef Sascha Uebel am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters.
Es sei klar, „dass wir aggressives Vorgehen der UniCredit weiter ablehnen und weiterhin im Sinne des deutschen Mittelstands, des Finanzstandorts Frankfurt und der Beschäftigten handeln“, teilte auch ein Sprecher des SPD-geführten Finanzministeriums mit. Der Bund hält 12 Prozent an der Commerzbank und will diese nicht verkaufen. Die Beteiligung gilt auch als Faustpfand für Gespräche über die Bedingungen einer Übernahme. (dpa, rtr)
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen