Thilo Sarrazin-Dokumentation im WDR

Die Angst vor dem belgischen Ackergaul

Abbitte leisten will er nicht: In der Doku mag sich Thilo Sarrazin auch nicht von der NPD distanzieren. Lieber vergleicht er die Deutschen mit einer edlen Pferderasse.

Verdient mit seiner Islamophobie viel Geld: Thilo Sarrazin in der WDR-Doku. Bild: wdr/rbb/privat

Die Spurensuche führt in die sächsische Provinz, nach Döbeln, wo der Ausländeranteil unter einem Prozent liegt. Fast 800 Menschen drängeln in den Saal, in dem Thilo Sarrazin im September spricht. Es ist die weiße Mittelschicht, die hier artig zuhört. Eine feindfreie Zone für den Sozialdemokraten. "Der Mann drückt das aus, was das deutsche Volk denkt", freut sich ein älterer Zuhörer. Der Redner ist, wie so oft, polemisch bis rechthaberisch. Und gleitet gerne auch mal ein bisschen in Absurditäten ab.

So vergleicht Sarrazin die Deutschen mit einer edlen Pferderasse. "Stellen sie sich vor, dies sei ein Gestüt mit Lipizzanerpferden. Und irgendwie wird in jeder Generation ein belgischer Ackergaul eingekreuzt. Völlig klar, die genetisch bedingte Fähigkeit zum Laufen sinkt", doziert Sarrazin mit vor der Brust verschränkten Armen. "Gleichzeitig steigt die genetisch bedingte Fähigkeit, einen Karren durch den Lehm zu ziehen. So ist das auch mit Menschen."

Sarrazin hat nichts zurückzunehmen. Das erklärt er zum wiederholten Male an diesem Abend. Und auch im neuen Vorwort der Taschenbuchausgabe seines migrationskritischen Bestsellers "Deutschland schafft sich ab", welche in diesen Tagen erscheint. Der Exbundesbanker verdient mit seiner Islamophobie viel Geld: Nach dem Duden und der Bibel ist es das meistverkaufte Sachbuch der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Erschreckend einfache Argumente

Im Jahr eins nach der Veröffentlichung versucht nun ein Dokumentarfilm zu klären, wie Sarrazins Thesen das Land spalten. "Sarrazins Deutschland - Wie eine Debatte ein Land spaltet" zeigt der WDR am 9. Januar, 22 Uhr, einen Tag später (10. Januar, 20.15 Uhr) folgt der RBB.

Die Gemeinschaftsproduktion von WDR und RBB ist der zweite Anlauf des RBB für eine Sarrazin-Bilanz. Der Sender hatte eine geplante Dokumentation über Sarrazin zum Jahrestag der Buchveröffentlichung abgesagt, nachdem die zuständige Autorin Güner Balci einen umstrittenen Sarrazin-Magazinbeitrag für das ZDF gedreht hatte. Und anders als Balci haben die jetzigen Autoren es nicht für nötig befunden, Provokationen zu inszenieren.

Die Autoren Sascha Adamek, Jo Groll und Norbert Siegmund haben einen angenehm kritischen Film gedreht, der genug Platz lässt, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Sarrazin wird vorgeführt, doch bedienen sich die Autoren keiner Effekthascherei. Das müssen sie auch gar nicht, denn die Aussagen des Bestsellerautors und die seiner Anhänger reichen aus, um deren Niveau zu offenbaren.

So bekommt Sarrazin etwa Lob von dem niederländische Rechtspopulisten Geert Wilders. Sarrazin selbst distanziert sich nicht von der NPD, welche mit ihm warb. "Wenn die NPD sagt, die Erde ist rund, werde ich nicht sagen, die Erde ist flach", sagt er auf die Rechtsextremisten angesprochen. Es ist immer wieder amüsant, wie erschreckend einfach Sarrazin doch argumentiert.

"Abbitte zu leisten habe ich sicherlich nicht", sagte Sarrazin noch kürzlich über seine umstrittenen Thesen. Er arbeitet an einem neuen Werk.

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