Tarek Al-Wazir: Ein Grüner gegen das Murmeltier

Die Grünen holen unter ihrem Landesparteichef Tarek Al-Wazir laut Hochrechnung 13,8 Prozent. Den ewigen Koch ist der dauerfleißige Grüne trotzdem nicht losgeworden.

Feiern ohne Euphorie: Al-Wazir stößt auf Wahlergebnis an. Bild: dpa

Tarek Al-Wazir sagt, er sei sich in den letzten Wochen vorgekommen wie in einem Film. In "Und täglich grüßt das Murmeltier" steckt der Held in einer Zeitschleife fest. Morgens, wenn der Wecker klingelt, geht unabwendbar jener eine Tag von vorn los, an dem der Ort Punxsutawney im Staate Pennsylvania ein Murmeltier ehrt.

Genau wie im Film kam Hessens Grünen-Chef im Landtagswahlkampf an Orte, die er schon aus dem letzten Wahlkampf kannte, und sagte Sachen, die er dort schon gesagt hatte. Auch jemanden, der ähnlich wie das fröhliche Murmeltier nicht wegzukriegen war, gab es in Hessen: Roland Koch.

Al-Wazir ist ein Mensch, der schnell mal ungeduldig wird. Sich vorzukommen wie in einer Zeitschleife muss ihn besonders demotivieren. Trotzdem musste er sich im Wahlkampf aufs Neue motivieren - und das satte zweistellige Wahlergebnis zeigt: Es hat sich gelohnt.

Die Grünen haben im November schnell gesehen, dass sie ganz gut aus dem Scheitern der rot-grünen Regierungspläne in Wiesbaden herauskommen. Die Scherben prasselten auf die SPD, und die Grünen sahen den Moment, davon zu profitieren. Die Parteiprominenten Daniel Cohn-Bendit und Cem Özdemir erzählten, Al-Wazir habe das Zeug zum Ministerpräsidenten: Koch gegen Al-Wazir - das sollte auf die Qualität des Spitzenkandidaten hinweisen. Und den Anspruch vermitteln, dass die Grünen so viele Inhalte abdecken wie eine Volkspartei. Von der SPD absetzen, aber nie zu nah an Kochs CDU: Al-Wazir versuchte, die Grünen eigenständig stark zu machen. Aber er musste sich zwingen. Wahlkampf strengt Politiker immer an, aber Al-Wazirs Pensum ist schon außergewöhnlich lange hoch, genauer gesagt seit September 2007, als er Grünen-Landesvorsitzender wurde. Dann: Spitzenkandidat, Wahlkampf gegen Koch. Wahl, ungeklärte Machtfrage in Wiesbaden, Mehrheiten organisieren, rot-grüne Verhandlungen, Krisenmanagement, Spitzenkandidat, Wahlkampf gegen Koch. Wahl. Er warb und diskutierte und organisierte, bekam im Januar die Grippe, er schluckte Tabletten, machte weiter.

"Politiker sind Gehetzte in einer Parallelgesellschaft", hat der Politologe Al-Wazir im Herbst bei einem Vortrag gesagt, jetzt konnte er sich als Extrembeispiel dafür nehmen. Ihn trieb die Aussicht an, mit den Grünen ein hervorragendes Ergebnis zu holen. Die 7,6 Prozent im Januar 2007 waren für Al-Wazir eine Niederlage. Dieses Mal lag die Zielmarke bei 11,2 Prozent. So viel hatten Hessens Grüne 1995 geschafft, die Grünen in Baden-Württemberg erreichten 1996 12,1 Prozent. Nächste Woche kann sich Al-Wazir auf einer Klausur in Schlangenbad bei Wiesbaden feiern lassen. Obwohl das Murmeltier noch da ist. GEORG LÖWISCH

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