Tag der Stadtnatur: Brut im Fluglärm

Wasser steht im Fokus, wenn Umweltschützer am Samstag zum Tag der Stadtnatur einladen. Ein Beispiel für das Miteinander von Mensch und Tier ist der Tegeler See.

Die Zwergdommel wird Derk Ehlert nie verstehen. Seit Jahren brütet berlinweit ein einziges Paar der Reiher-Art am Tegeler Flughafensee. Während über dem etwa 30 Zentimeter großen Vogel nahezu im Minutentakt Flugzeuge starten und landen, hockt die Zwergdommel im Schilf und kümmert sich um den Nachwuchs. "Wenn man die da sieht, denkt man, die müssen eine Macke haben", sagt Ehlert. Der Wildtierexperte des Senats beobachtet die Natur um den Flughafen aus persönlichem und beruflichem Interesse gleichermaßen. Im Lauf der Jahre hat er festgestellt: "Was uns Menschen kirre macht, der permanente Lärm nämlich, scheint die Tierwelt überhaupt nicht zu stören." Am Wochenende will Ehlert den Berlinerinnen und Berlinern das Treiben am, im und auf dem Wasser nahebringen: Hinschauen und hinhören nämlich kann gelernt werden - etwa bei einer der Bootstouren über den Tegeler See, die die Stiftung Naturschutz beim Langen Tag der Stadtnatur anbietet.

Zum vierten Mal lädt die Stiftung Großstädter zum Naturerlebnis ein, zum ersten Mal will sie ohne Fördergelder auskommen. "Naturschutz kann man nicht staatlich verordnen", wirbt Staatssekretärin Maria Krautzberger für die Veranstaltung. "Er lebt davon, dass sich Menschen für ihn begeistern." Der Schwerpunkt liegt diesmal auf dem Wasser, ein Drittel der Veranstaltungen befasst sich damit.

Am Wasserwerk Tiefwerder etwa können Interessierte lernen, wie man verantwortungsvoll angelt. Sie können dort auch angelgolfen, also einen Golfball mit einer Angel ins Golfloch spielen. Die Sportart wurde im vergangenen Jahr mit dem Innovationspreis des Berliner Sports ausgezeichnet. Oder Besucher informieren sich darüber, wie heimischer Fisch richtig filetiert wird.

In Tegel geht es auf die Spuren der Biber - von Land und von See. Dass es den Nager überhaupt gibt, ist ein gutes Zeichen für die vom Flughafen geprägte Gegend im Norden: "Wo der Biber lebt, müssen 100 weitere Tier- und Pflanzenarten sein", sagt Experte Ehlert. Auf seine Initiative hin ließ der Senat im vergangenen Jahr Bibertreppen im Stadtgebiet bauen, auf denen sich durch Berlin schwimmende Biber erholen können.

Am See zeigen sich die Nager oft auch tagsüber. Wer Glück hat, kann vom Boot aus Jungbiber beim Abknicken von Seerosenblüten beobachten oder die Wasserkünste ganzer Familien bestaunen. "Wenn der Biber abtaucht, macht das einen Riesenknall, so als ob ein schwerer Mensch vom Sprungbrett ins Wasser hüpft", erzählt der Wildtierexperte. Für die abgeknabberten Weiden am Ufer hegt Ehlert weniger Sympathien - die wüchsen ja wieder, sagt er.

Von Haus aus ist der braungebrannte, schlanke Mann Ornithologe, und als solcher kommt er in Tegel ebenfalls auf seine Kosten. Am See hat er etwa Flussseeschwalben beobachtet, die auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehen. Auch der Seeadler ist hier heimisch. "Und das seit mehr als zehn Jahren, darauf sind wir schon stolz."

Konflikte gibt es freilich genauso wie in jeder anderen Beziehung: Die Wildsau etwa betreibt im Tegeler See regelrechtes Inselhopping. Ärgert sich ein Bewohner noch über den umgepflügten Garten, ist das Schwein oft schon davongeschwommen: Wildschweine sind ausgezeichnete Wassersportler.

Weiter Infos unter: www.langertagderstadtnatur.de

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