Studie: Mangelware Schulpsychologen

Niedersachsen hat bundesweit die wenigsten Schulpsychologen. Nun verspricht das Land aufzustocken - wenn in den Haushaltsberatungen nichts dazwischen kommt.

Probleme besser ins Tagebuch: Niedersächsische Schulpsychologen haben für Einzelfälle keine Zeit. Bild: dpa

In keinem Bundesland gibt es derzeit weniger Schulpsychologen als in Niedersachsen. Das hat eine Studie der Universität Bielefeld ergeben, die am Donnerstag von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vorgestellt wurde. Demnach steht für 26.324 Schüler nur ein Schulpsychologe zur Verfügung. Ganz anders beim Spitzenreiter Hamburg. Dort kommen auf einen Schulpsychologen umgerechnet 5.491 Schüler, in Bremen sind es 7.575.

Seit Jahren kritisieren niedersächsische Schulpsychologen die personelle Situation. Zuletzt schlugen sie Alarm, als 2008 die vorhandenen 89 Stellen gekürzt wurden. Von den nunmehr 50 Planstellen in Niedersachsen sind allerdings nur 38 tatsächlich besetzt. "Als Sofortmaßnahme muss das Land sofort 70 Psychologen einstellen", forderte der Wissenschaftler Rainer Dollase am Donnerstag in Hannover. Seinem Gutachten zufolge seien mindestens 250 Schulpsychologen nötig, um orts- und schulnah beraten zu können. "Damit die Arbeit der Schulpsychologie für Lehrkräfte, SchülerInnen und Eltern wirksam werden kann, ist eine kritische Mindestgröße an schulpsychologischer Versorgung notwendig", sagte Dollase.

Das niedersächsische Kultusministerium arbeitet nach eigenen Angaben bereits intensiv an einer Verbesserung der Situation. "Unser Ziel ist es, die Zahl der Schulpsychologen in den nächsten Jahren auf mehr als 70 Stellen auszubauen", sagte eine Ministeriumssprecherin. Dies hänge jedoch von den Haushaltsberatungen ab. So könnte die versprochene Aufstockung am fehlenden Budget scheitern. Schulpsychologie sei wichtig und eine gute Versorgung der Schulen und Schüler nötig. Bei der anvisierten Neuausrichtung sei ein Dezernat mit dem Schwerpunkt Schulpsychologie geplant.

"Wir fordern schon lange einen Ausbau der Schulpsychologen, bisher gab es in Niedersachsen aber wenig Bewegung", sagt Stefan Drewes, Vorsitzender der Sektion Schulpsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologen. Das Land habe den Verband stets damit vertröstet, dass es ausreichend Beratungslehrer gebe, die sich um die Schüler kümmern könnten. "Aber diese Lehrer sind doch Teil des Systems", sagt Drewes. Und welcher Schüler möchte schon mit seiner Mathelehrerin über Probleme in der Schule oder zu Hause sprechen?

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