Stadtplanung: Die Höfe vergammeln weiter

Gestern sollte mit „Auf den Höfen“ eigentlich die einst angesagteste Gastro-Meile Bremens zwangsversteigert werden – aber die Bank lehnte das Höchstgebot ab

Auf den Höfen im Viertel tobt nicht mehr das wilde Party-Leben Bild: Klaus Wolschner

Was einst Bremens angesagteste Ausgeh-Meile war, macht heute einen traurigen Eindruck: Viele der Läden, Kneipen und Restaurants „Auf den Höfen“ im Viertel stehen leer, der Rest sieht heruntergekommen aus. Gifte aus einer einst dort angesiedelten Dachpappen-Fabrik und einer ehemaligen Tankstelle belasten den Boden. Trotzdem wurde der Wert des Komplexes auf 3,75 Millionen Euro festgesetzt. So viel wollte bei der Zwangsversteigerung der 5.200 Quadratmeter großen Kneipenmeile gestern Vormittag vorm Bremer Amtsgericht aber niemand bieten. Bei etwas mehr als zweieinhalb Millionen Euro lag das Höchstgebot. Die Gläubiger-Bank lehnte ab, denn sie wollte mindestens sieben Zehntel des Verkehrswertes haben. Nun bleibt „Auf den Höfen“ vorerst weiterhin in der Hand des Zwangsverwalters.

Der Ausbau der Schlachte mit ihren Biergärten und zunehmende Beschwerden der Anwohner über die Lautstärke läuteten in den 90er-Jahren das Ende der „Höfe“ ein; Eigentümer Helmut Hubrich ging das Geld für Reparatur- und Sanierungsarbeiten aus, schließlich konnte er die Kreditraten nicht mehr bezahlen und meldete Insolvenz an. „Die Summe, die die Bank haben will“, sagt der mittlerweile 73-Jährige, „ist nicht realistisch.“ Deswegen hatte Hubrich im vergangenen Jahr ein Gutachten in Auftrag gegeben, das eine Bodenbelastung mit Mineralölkohlenwasserstoffen, Benzol und Naphthalin bescheinigte. Das Gericht sagte daraufhin den ersten Zwangsversteigerungstermin wieder ab und ließ ein eigenes Gutachten anfertigen. Aus dem geht hervor, dass die Schadstoffe durch den Boden gebunden bleiben und das Grundwasser nicht belasten – also blieb es bei den 3,75 Millionen Euro.

„Es gibt Leute“, sagt Hubrich, der mittlerweile in Berlin lebt, „die wollten da richtig was machen und haben sich auch an die Bank gewendet. Aber die sind alle abgewiesen worden.“ Dazu habe auch der „Sixdays“-Ausrichter Theo Bührmann gehört, der sich einen Komplex nach dem Vorbild der Hackeschen Höfe in Berlin vorgestellt hatte. „Der war bei der Versteigerung auch dabei, hat aber gar nicht mitgeboten – er hätte das für so viel Geld nur genommen, wenn die Gebäude komplett entmietet gewesen wären.“ Sind sie aber nicht: Im größten Haus, das gleichzeitig den „Eingang“ zum Hof bildet, sitzt die Möbelfirma „Popo“, die laut Hubrich just eine Verlängerung ihres Mietvertrages bekommen hat, der Radiosender Flux FM, ein paar Kneipen sowie natürlich die BewohnerInnen der Wohnungen in den Obergeschossen der Gebäude sind im Hinterhof beheimatet: „Die Mieter haben ja Rechte“, sagt Hubrich, „und das erschwert natürlich einige Pläne.“

Wolfgang Weiß, Architekt und Mitglied im Beirat Mitte, freut sich über die misslungene Versteigerung. Er hat eine Initiative aus BremerInnen ins Leben gerufen mit dem Ziel, eine Genossenschaft zu gründen, die den Komplex kauft. Nun hat er Zeit gewonnen, um weitere MitstreiterInnen zu gewinnen. Er veranschlagt allein für die Sanierungskosten zwei Millionen Euro: „Da herrscht ja ein erheblicher Reparaturstau.“ Der wird noch größer werden, denn einen neuen Versteigerungstermin wird es laut Amtsgericht Bremen in diesem Jahr nicht mehr geben.

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