Silvio-Meier-Demo: Gedenken in Rekordzeit

Die 21. Silvio-Meier-Demo ist Spaziergang und wütender Aktivismus gleichzeitig. Die 5.000 Teilnehmer laufen in diesem Jahr in nur einer Stunde durch Friedrichshain.

Gedenkdemo für Silvio Meier am Samstag. Bild: dpa

Die Antifa-Jugend Ostberlin ist zum ersten Mal dabei, aber auch für Altaktivisten wie Johnny, der in den „wild-aufrührerischen Neunzigern“ im Kiez gelebt hat, ist die Silvio-Meier-Demo „Pflicht“, wie er sagt. Erstere stehen am Samstag hinter ihrem Transparent auf der Straße, Letzterer mit Begleiterin und Kind auf dem Bürgersteig: politische Sozialisation und Antifa-Familientreffen in Friedrichshain.

59 Fälle politisch rechts motivierter Kriminalität seien allein im ersten Halbjahr 2013 in Friedrichshain angezeigt worden, schreiben die Grünen Friedrichshain-Kreuzberg in ihrem Aufruf. Doch es geht heute nicht nur um den Protest gegen rechte Gewalt, der auch der Antifaschist Silvio Meier 1992 zum Opfer fiel. Es geht genauso um Hausdurchsuchungen gegen schwedische Antifas, Nazigewalt in Paris, Solidarität mit der antifaschistischen Bewegung in Griechenland, Flüchtlingsproteste in Deutschland, den NSU und unabhängige Gedenkarbeit in Mölln. Die Redebeiträge sind ein Spiegel linker Politik.

Gleich mehrere Gruppen von Vermummten mit Fahnen, bengalischen Fackeln und Feuerwerk auf den Hausdächern der Hausprojekte wetteifern darum, wer die Demo am eindrucksvollsten grüßt. Die inzwischen 21. Silvio-Meier-Demonstration läuft mit schnellem Schritt durch den Kiez nördlich der Frankfurter Allee.

Die eher jugendliche Demospitze protzt mit Verbalradikalismus inklusive „stay criminal“ Transparent, die Frauen-Lesben-Trans-Reihen an der Spitze der Demo fallen dieses Jahr aus. Weiter hinten auf der 5.000 Menschen fassenden Demonstration ist eher gemütliches Mitlaufen mit Kippe und Bierflasche angesagt. Im Gegensatz zu den letzten Jahren gibt es kein Glasflaschenverbot. Locker, zerfasert, spaziergängerisch wirkt die Demo deswegen bisweilen hinter dem Frontblock. Ein Helikopter der Polizei bleibt das einzige schwere Gerät, das die Berliner Polizei an diesem Tag einsetzt. Im Friedrichshainer Nordkiez halten sich die 700 eingesetzten Beamten zunächst zurück, im Kiez südlich der Frankfurter Allee wird dann die vordere Hälfte der Demonstration ins Spalier genommen.

In der Gabriel-Max-Straße drängelt sich die 13. Einsatzhundertschaft zwischen geparkten Autos und Demonstranten, es kommt zur ersten Festnahme. Eine Stunde nach Beginn ist die Demonstration dann schon beendet, in Rekordzeit. Wenige hundert Demonstranten bleiben stehen auf der Frankfurter Allee, lauern auf mögliche anschließende Spontandemos. Doch die verhindert die Polizei. Fünf Festnahmen und fünfzehn vorübergehende Ingewahrsamnahmen meldet sie am Sonntag, unter anderem wegen Vermummung. „Weitgehend friedlich“ sei die Demo geblieben, zeigt sich ein Polizeisprecher zufrieden. Über „die größte regelmäßig stattfindende Antifa-Demo Deutschlands“ freut sich die Antifaschistische Linke Berlin.

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