Schloss Schönhausen öffnet als Museum: Alles unter einem Dach

Preußens Adel, Nazis und die DDR-Führung haben in dem Pankower Prunkbau residiert. Nach fünfjähriger Sanierung wird es am Samstag als Museum eröffnet.

Außen Schloss, innen Museum Bild: dpa

Das Schloss Schönhausen ist für die Öffentlichkeit bereitet: Ein roter Teppich zieht sich durch das Treppenhaus. Die frisch gestrichenen Wände strahlend weiß. Doch ein Makel springt direkt ins Auge - in der Wand klafft eine offene Stelle. Dahinter kommt das Mauerwerk zum Vorschein. Es wirkt wie eine Wunde.

"Das soll als Denkanstoß für die Besucher dienen", sagt Samuel Wittwer von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG). Die freigelegten Bauschichten sollen die "überlagerten Schichten der Geschichte" symbolisieren, die dieses Haus geprägt haben, erklärt der Leiter der Abteilung Schlösser und Sammlungen.

Schloss Schönhausen hat eine lange Historie hinter sich, die ab dem Samstag für BesucherInnen erfahrbar ist. Knapp fünf Jahre lang wurde der Prunkbau für 8,5 Millionen Euro Schicht für Schicht saniert, nun wird er als Museum wieder eröffnet.

"Wir erzählen hier zwei Geschichtsstränge", sagt Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der SPSG: "die Geschichte der preußischen Königin Elisabeth Christine und die Zeit von 1949 bis 1989." Erbaut wurde das Schloss im 17. Jahrhundert und war 50 Jahre lang die Sommerresidenz der preußischen Königin Elisabeth Christine.

"Die Bedeutung des Schlosses hat im Laufe der Geschichte immer mehr zugenommen", sagt Wittwer. Anders als andere Schlösser in Berlin und Brandenburg sei es zuerst Museum gewesen, bevor die große Politik Einzug gehalten habe. 1938 entdeckten es die Nationalsozialisten für ihre Propagandazwecke und widmeten es erstmals zum Museum um. Bis 1941 diente es als Lager für sogenannte entartete Kunst. Zeitgleich wurden unter dem Titel "Landschaftsmalerei" Bilder gezeigt, die den Eroberungskrieg der Wehrmacht in Polen verherrlichten. Bilder aus dieser Zeit sind nicht mehr zu sehen, doch auf den Infotafeln wird darauf hingewiesen.

Ab 1949 war das Schloss der Hauptsitz des ersten DDR-Staatschefs Wilhelm Pieck. "Wenn Adenauer in den Fünfzigern von denen in Pankow sprach", erzählt Dorgerloh, "meinte er den Präsidenten der DDR, der dort eingemauert saß." Eingemauert? In der Tat: Noch vor dem Bau des sogenannten antifaschistischen Schutzwalls wurde um das Schloss eine Mauer errichtet, um den Präsidenten zu beschützen.

Die Kontraste zwischen den verschiedenen Geschichten kommen auf dem Rundgang durch die drei Etagen immer wieder zum Vorschein. Im ersten Stockwerk liegt Berlins ältester erhaltener Rokokosaal, der 1764 eingerichtet wurde. Stuckdecke, vergoldete Spiegel und verzierte Kamine prägen die Einrichtung - die preußische Königin lauschte hier Konzerten, Wilhelm Pieck empfing später seine Staatsgäste. Zwei Räume weiter befindet sich Piecks ehemaliges Büro, laut Wittwer "der authentischste Raum", weil er komplett erhalten geblieben ist: Statt verspielter Verzierungen beherrschen klobige Holzmöbel den Raum.

Einen regelrechten Farbtupfer stellt ein fliederfarbenes Badezimmer dar. Es gehört zu einem der zahlreichen Schlafzimmer - von 1964 bis 1991 diente das Schloss als "Staatsgästehaus". Als Letzte nutzte es die niederländische Königin Beatrix bei ihrem Besuch 1991. Denn auch zum Ende der DDR hatte das Schloss große Bedeutung. So wurde hier 1990 in den "Zwei-plus-Vier-Gesprächen" über die deutsche Einheit verhandelt.

Klarheit in die verwirrenden Wechsel zwischen Preußen-Prunk und DDR-Kitsch soll ein einheitliches Infosystem aus Tafeln und Audioguides bringen.

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