Rücktritt beim Papst eingereicht: Bischof Mixa mag nicht mehr

Er wolle weiteren Schaden von der Kirche abwenden und hat seinen Rücktritt eingereicht. Bischof Mixa zieht nun doch Konsequenzen aus den Vorwürfen gegen ihn.

Ene, mene, Maus - Einer muss jetzt raus! (v.l.: Bischofskonferenz-Vorsitzender Zollitsch, Karl Lehmann, Kardinal Sterzinsky, Kardinal Meisner und Bischof Mixa). Bild: dpa

AUGSBURG/FRANKFURT apn| Ein Bischof geht nach einem Kardinalfehler: Der Augsburger katholische Oberhirte Walter Mixa hat sich nun doch dem öffentlichen Druck gebeugt und seinen Rücktritt angeboten. Hatte er zunächst alle Misshandlungsvorwürfe ehemaliger Heimkinder vehement bestritten, räumte er nach Tagen doch "die ein oder andere Watsch'n" ein und machte sich damit angreifbar.

Sorge um die Glaubwürdigkeit der Kirche hatte nach diesem Zickzack-Kurs selbst der Priesterrat des Bistums Augsburg geäußert, vor dem Mixa am Montagabend recht spät für seine Fehler um Verzeihung bat. Zum Schluss war auch der Druck der Kirchenoberen in Deutschland groß. Die katholische Bischofskonferenz und ihr Vorsitzender, Erzbischof Robert Zollitsch, forderten den Augsburger Bischof öffentlich auf, sein Amt ruhen zu lassen. Mit dem Rücktrittsgesuch an Papst Benedikt XVI. ging Mixa jetzt noch einen Schritt weiter.

31. März : Mehrere ehemalige Heimkinder des katholischen Waisenhauses Schrobenhausen werfen Mixa vor, er habe sie brutal auch mit Stöcken geprügelt. Mixa weist das als "absurd, unwahr" zurück, spricht von einer Diffamierungskampagne und droht mit rechtlichen Schritten.

4. April: Mixa beteuert, er habe "zu keiner Zeit körperliche Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in irgendeiner Form angewandt". Er habe "ein reines Herz".

10. April: Laut Zeitungsberichten soll Mixa mit Geldern der Wausenhausstiftung einen Kupferstich für 43.000 Mark gekauft haben. Der Bioschof bedauert finanziell unklare Zuordnungen.

16. April: Ein Sonderermittler stellt finanzielle Unregelmäßigkeiten fest. Für Wein und Kunstwerke seien hohe Summen zweckentfremdet worden. Mixa räumt ein, er könne "die ein oder andere Watschn" vor 30 Jahren nicht mehr ausschließen, und bittet um Verzeihung. ZdK-Präsident Glück fordert: " bedingungslose Klarheit." Grünen-Vorsitzende Claudia Roth forderte den Rücktritt.

21 April: Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, rät Mixa zu "einer Zeit der geistlichen Einkehr und der räumlichen Distanz". Am selben Tag schickt Mixa dem Papst sein Rücktrittsgesuch. Um "weiteren Schaden von der Kirche abzuwenden"

Zu den Prügelvorwürfen der Heimkinder kamen noch finanzielle Unregelmäßigkeiten in Mixas Zeit an der Spitze der Waisenhausstiftung Schrobenhausen. Entscheidend für den rapiden Ansehensverlust des streitbaren Bischofs auch in den Reihen der katholischen Kirche selbst war aber vor allem, dass er wie so viele Politiker bei früheren Affären erst einmal alles vehement bestritt, um dann mit erheblicher Verzögerung doch etwas zuzugeben.

Auch wenn Mixa weiter betonte, er könne lediglich Ohrfeigen nicht ausschließen, habe aber nicht die ihm vorgeworfene körperliche Gewalt gegen Kinder und Jugendliche angewandt, war die Empörung groß. Eine Augsburger Diözesanrätin warf ihrem Bischof sogar öffentlich Heuchelei und ein Stück Feigheit vor, weil er sich nicht gleich offen und ehrlich geäußert habe.

Die Affäre, die auf Mixas Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen in den 70er und 80er Jahren zurückgeht, traf nun ausgerechnet einen prononcierten Konservativen in den Reihen der deutschen katholischen Kirche. Nicht zufällig war der Oberhirte der Diözese Augsburg auch Militärbischof. Doch diese Tätigkeit litt zuletzt auch deutlich unter der Affäre in seinem Bistum. So musste Mixa am 9. April seinen bevorstehenden Besuch bei den deutschen Soldaten in Afghanistan absagen. Das Amt des katholischen Militärbischofs hatte er im Jahr 2000 als Nachfolger des verstorbenen Fuldaer Bischofs Johannes Dyba übertragen bekommen, der ebenfalls als engagierter Konservativer Schlagzeilen gemacht hatte.

In diesem Punkt stand Mixa seinem Vorgänger kaum nach. Auf Empörung auch bei nicht gerade linken Politikern stieß vor allem seine Äußerung vom Oktober 2007 zum Ausbau der Kinderbetreuung. Der CDU-Politikerin und damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen warf Mixa seinerzeit vor, Frauen zu Gebärmaschinen zu degradieren. Und erst im März vorigen Jahres sorgte der Bischof erneut für Furore, indem er die Holocaust-Opfer mit der Zahl der Abtreibungen in Deutschland verglich.

Am 25. April 1941 im oberschlesischen Königshütte geboren, fand Mixa nach Kriegsende mit seiner Familie im württembergischen Heidenheim an der Brenz eine neue Heimat. Noch vor dem Abitur entschloss er sich, Priester zu werden und studierte ab 1964 an der Katholisch-Theologischen Fakultät Dillingen und im schweizerischen Fribourg Philosophie und Theologie. Seiner Dissertation an der Universität Augsburg zum Thema "Die Verwirklichung der Personalität des Menschen durch Glaube, Hoffnung, Liebe im Anschluss an die Theologie von Martin Deutinger unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Glaubenskrise" folgte 1975 der Doktortitel der Theologie.

Anschließend wurde Mixa zum Regionaldekan der Augsburger Diözesanregion Altbayern gewählt und übernahm auch das Amt des Stadtpfarrers in Schrobenhausen. 1996 stieg er schließlich zum Bischof von Eichstätt auf - einer der kleinsten, aber auch ältesten Diözesen in Deutschland. Im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Bischöfen folgte er bereits 1999 der Maßgabe des Vatikans und ließ sein Bistum aus der Schwangerenkonfliktberatung aussteigen. Auch mit der Entlassung des Spirituals des Eichstätter Priesterseminars und der Maßregelung eines katholischen Pfarrers für seine Mitwirkung am ökumenischen Abendmahl auf dem Kirchentag 2003 in Berlin machte Mixa Schlagzeilen.

2005 ernannte Papst Benedikt XVI., dem er schon lange theologisch und kirchenpolitisch nahestand, Mixa als Nachfolger des aus Altersgründen zurückgetretenen Josef Dammertz zum neuen Bischof von Augsburg. Schon vor Bekanntwerden der Vorwürfe gegen ihn selbst bezeichnete er im Februar die sexuelle Revolution als mitverantwortlich für die Missbrauchsfälle. Jetzt hat ihn das Thema wohl endgültig eingeholt.

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