Refugium: Zurück zur Auszeitnormalität

In der Corona-Zeit musste das Auszeitstipendium der Panter Stiftung ausgesetzt werden. Nun soll es möglichst schnell wieder losgehen.

Auszeit-Stipendiat Solomon Kebede Taffese mit Andreas Lorenz. Bild: Barbara Dietl

Liebe Leser*innen,

"Ich bin nach Tschechien gereist und nach Italien. Man braucht nur seinen Pass zu zeigen, niemand stoppt einen... Die Menschen sind nicht nervös, im Unterschied zu uns müssen sie nicht um ihr Leben fürchten."

Das sind die Worte von Reham Owda, einer palästinensischen Journalistin. Sie war im Frühjahr 2019 Gast des Auszeitstipendiums von der NGO Reporter ohne Grenzen und der taz Panter Stiftung, die Journalist*innen in Bedrängnis drei Monate lang in Berlin die Möglichkeit gewähren, sich zu erholen. Zugegeben: Zuerst waren wir verwundert und auch etwas befremdet, als sich die Kollegin aus dem Gaza-Streifen auf die anstrengende Reise durch Europa machte, anstatt sich in Berlin auszuruhen.

Dann begriffen wir: Genau das bedeutete für Reham Owda Erholung in Reinnatur: sich frei bewegen zu können. Die Palästinenserin ist eine der Auszeit-Stipendiat*innen, die seit 2015 nach Berlin gekommen sind. Das Programm bietet Journalist*innen aus Kriegs- und Krisengebieten eine Pause – ganz ohne Gegenleistungen. In Berlin können sie in einer eigenen Wohnung Kraft tanken, nach Lust und Laune die redaktionellen Abläufe der taz und das deutsche Mediensystem kennenlernen, andere Journalist*innen treffen, sich weiterbilden und sich die Stadt anschauen.

Mit den Erfahrungen in der Heimat besser fertig werden

Die Gäste erhalten ein Taschengeld, eine Fahrtkarte für den öffentlichen Nahverkehr und täglich ein Essen in der taz Kantine. Wir finanzieren zudem Sprach- und Videokurse. Die meisten nahmen das Angebot an, sich psychologisch betreuen zu lassen, um mit ihren Erfahrungen in der Heimat besser fertig zu werden. Ausgesucht wurden die Teilnehmer*innen bisher aus jeweils weit über 100 Bewerber*innen. Die Zeit-Stiftung und die Evangelische Kirche unterstützen das Projekt.

In Corona-Zeiten mussten wir das Programm aussetzen. Doch nun geht es wieder los – mit einem Kollegen aus Kuba und einer Journalistin aus Bangladesh, die beide dringend einen Tapetenwechsel benötigen. Reham Owda ist längst nach Gaza-City zurückgekehrt und muss nun wegen der jüngsten Kämpfe wieder um ihr Leben fürchten. Bislang blieben sie und ihre Familie verschont. Sie berichtet – auch für die taz – über den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern.

Möglichst schnell zurück zur Normalität

Vom Aufenthalt in Berlin und den Reisen in Europa zehrt sie bis heute: "Ich habe den Aufenthalt sehr genossen." Ohne die Mithilfe von Spender*innen wäre unser Programm nicht möglich. Jede Auszeit kostet rund 10.000 Euro. Nach Corona wollen wir möglichst schnell wieder in die Normalität eintauchen und jenen Kolleg*innen zur Ruhe erhelfen, für die wegen ihrer Berichterstattung das Wort "Normalität" längst ein Fremdwort ist.

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns mit einer Spende – sei sie noch so winzig – dabei helfen würden, das Programm fortzusetzen.

Es grüßt Sie herzlich

Andreas Lorenz

Ehemaliges Kuratoriumsmitglied