Proteste in Thailand: Unversöhnliche Fronten in Bangkok
Zehntausende Rothemden demonstrieren wieder gegen die Regierung. Am Wochenende besetzen sie ein Geschäftsviertel. Die Opposition hält an ihrem Ultimatum der Parlamentsauflösung fest
BANGKOK taz | Seit Tagen verschärfen sie den Druck auf Thailands Regierung: Am Montag drangen Rothemden in das Gebäude der Wahlkommission ein. Sie werfen dem Gremium vor, es verzögere Ermittlungen über eine millionenschwere Wahlkampfspende an die regierende "Demokratische Partei" (DP) von Premier Abhisit Vejjajiva. Sollten sich die Vorwürfe von 2005 bestätigen, könnte die DP aufgelöst werden.
Am Samstagvormittag blockierten die "Roten" zudem eine Kreuzung inmitten von Luxushotels und Kaufhäusern, worauf etliche Läden schlossen. Während die Demonstranten auf Straßen und Gehsteigen campieren, klagt die Geschäftswelt über Millioneneinbußen. "Ein Stoß mitten ins Herz von Bangkok" titelte die Zeitung The Nation. "Wir haben uns für diesen Standort entschieden, um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen", so Sean Boonpracong, ein Sprecher der Rothemden, zur taz.
Davon will sich die "Vereinigte Front für Demokratie gegen Diktatur" (UDD), wie die Rothemden offiziell heißen, auch durch Androhungen von Haft- und Geldstrafen nicht abbringen lassen. Die Regierung hatte die UDD mehrfach aufgefordert, die Blockade aufzugeben. Doch deren Anführer weigerten sich. Eine Räumung blieb zunächst aus - offenbar weil sich führende Sicherheitskräfte uneins seien, wie man mit den Rothemden verfahren solle, sagte Sean Boonpracong weiter.
Es war das vierte Protestwochenende der UDD in Folge: Sie fordert die Auflösung des Parlaments und Neuwahlen. Die meisten Rothemden sind Anhänger des 2006 vom Militär gestürzten Regierungschefs Thaksin Shinawatra. Ihrer Meinung nach ist Premier Abhisit unrechtmäßig an der Macht. Eine Annäherung beider Lager ist nicht in Sicht: Während die UDD will, dass Abhisit das Parlament bis zum 12. April auflöst, bot dieser seinen Kontrahenten einen Termin zum Ende des Jahres an.
Zwischenzeitlich gingen tausende Gegner der Rothemden auf die Straße. Eine in rosa T-Shirts gekleidete Gruppe aus Akademikern und Geschäftsleuten erklärte, sie sei gegen die Auflösung des Parlaments und sicherte Premier Abhisit ihre Unterstützung zu. Zudem schade die UDD mit ihren Protesten der Wirtschaft und dem Tourismus.
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