Portrait Jürgen Großmann: Der Pro-Atom-Kurs-Mann
Der Vorstandschef von RWE kämpft für den Weiterbetrieb der deutschen Atommeiler. Dabei geht er sogar juristisch gegen das Moratorium vor.
Der Mittwoch wird ein anstrengender Tag für Jürgen Großmann. Vor und in der Essener Grugahalle erwartet den Vorstandschef von RWE ein stürmischer Empfang. Anti-AKW-Aktivisten wollen versuchen, die Jahreshauptversammlung des Energiekonzerns zu blockieren. Falls es Großmann dennoch in die Halle schafft, wird er sich manch kritische Frage gefallen lassen müssen. Denn auch unter den Aktionären wächst der Unmut über sein starrköpfiges Festhalten an der Atomenergie.
Kompromisslos steht der 59-jährige gebürtige Mülheimer, der Eisenhüttenkunde und Wirtschaftswissenschaften studiert und seine Karriere bei dem Stahlunternehmen Klöckner-Werke begonnen hat, auch nach Fukushima weiter auf Pro-Atom-Kurs. "Wir sind keine Kreuzritter der Kernenergie" und RWE sei auch "nicht auf Krawall" gebürstet, beteuert Großmann zwar in Interviews.
Gleichwohl kämpft der einstige Skatbruder Gerhard Schröders derzeit wie kein anderer der AKW-Bosse für den Weiterbetrieb der deutschen Atommeiler, die den Konzernen Milliardengewinne in die Kassen spülen. So geht denn auch RWE als einziger der vier großen Energiekonzerne juristisch gegen das Moratorium von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, hat Klage gegen die vorübergehende Abschaltung von Biblis A eingereicht.
Von seinem Kurs lässt sich Großmann auch nicht durch interne Berechnungen abbringen, nach denen eine Abschaltung der beiden Biblis-AKWs sich mittelfristig sogar positiv auf das RWE-Ergebnis auswirken könnte, weil dadurch der Strompreis ansteigen und davon die nur teilweise ausgelasteten RWE-Kohlekraftwerke profitieren würden. Schließlich plädiere er "seit Längerem für die Verlängerung der Laufzeiten und sehe keinen Grund, dies nun zu revidieren".
Der Milliardär, seit 2007 an der RWE-Spitze, scheut keine Auseinandersetzung. Als er Anfang April vom Naturschutzbund Deutschland zum "Dinosaurier des Jahres 2010" gekürt wurde, nahm der Zweimetermann, der Mitglied gleich zweier pflichtschlagender Studentenverbindungen ist, den Schmähpreis persönlich entgegen. Großmanns kämpferischer Kommentar: "Das Spiel ist zu Ende, wenn es abgepfiffen ist."
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 130 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert