Piraten werden zur fünften Kraft

Die verkannte Konkurrenz

Ignorieren? Abkanzeln? In Berlin tun sich die etablierten Parteien schwer mit den Piraten. Dabei hilft nur eins: Selber offensiv mit den Wählern kommunizieren.

Die vier alteingesessenen Fraktionen im Abgeordnetenhaus haben sich mit den Piraten bisher – vornehm ausgedrückt – sehr schwer getan. Man merkt das nicht nur daran, dass gerne mal über den Kleidungsstil der Neulinge gelästert wird. Auch die selten fehlende Anmerkung, man werde sich bald auch mal intensiv mit dem Internet befassen, zeigt, wie wenig die Altparteien begriffen haben, was der Einzug der Piraten ins Parlament bedeutet hat: eine Erweiterung des politischen Spektrums. Mit dem Erfolg der Piraten im Saarland dürfte das auch den letzten Hinterbänklern klar geworden sein.

An der Saar wie in Berlin haben die Neulinge in allen Lagern gefischt. Und ihr zentrales Thema heißt nicht Netz, sondern politische Kommunikation. Die Frage, wie die im 21. Jahrhundert funktionieren kann, interessiert längst nicht nur Nerds.

Jetzt dürfen die Alten noch mal tief Luft holen – und sich dann ernsthaft mit der fünften Fraktion auseinandersetzen. Ähnlich übrigens, wie SPD, Union und die schon fast vergessene FDP es nach schmerzhaften Erfahrungen mit den Grünen vor drei Jahrzehnten gemacht haben.

Der Witz dabei: Kommunikation mit den Wählern ist nirgends so einfach wie in einer Großstadt. Statt über das vorlaute Auftreten der neuen Konkurrenz zu lamentieren, können es die Alteingesessenen besser machen. Sie müssen sich nur anstrengen. Wenn sie den bequemen Weg wählen und die Neuen ignorieren, könnten sie später selbst ignoriert werden.

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Jahrgang 1974, ist Leiter der Berlin-Redaktion der taz. Zuvor war er viele Jahre Chef vom Dienst in dieser Redaktion. Er lebt seit 1998 in Berlin und hat Politikwissenschaft an der Freien Universität studiert.

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