Nordkorea nach Kim Jong Ils Tod: Machtwechsel in Zeiten der Aufrüstung

Chinas Führung signalisiert auch mit der Anteilnahme am Tod des Diktators Kim Jong Il ihre Unterstützung für den neuen Machthaber Kim Jong Un. Doch Peking ist auch besorgt.

Nordkoreas verstorbener Machthaber Kim Jong Il aufgebahrt in Pjöngjang. Bild: dapd

PEKING taz | Der Besuch war so ungewöhnlich wie symbolisch: Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao erschien gestern persönlich in Nordkoreas Botschaft am Pekinger Park des Sonnentempels. Dort übermittelte er sein Beileid für den Tod des am Samstag verstorbenen Machthabers Kim Jong Il.

Am Abend zuvor hatte Chinas Staatsfernsehen eine Erklärung verlesen, in der die Parteispitze und Armeeführung den etwa 29-jährigen Kim Jong Un als Nachfolger seines Vaters guthieß: "Wir glauben, das sich das nordkoreanische Volk gemäß dem Wunsch des Genossen Kim Jong Il eng um die Arbeiterpartei zusammenschließen und unter der Führung des Genossen Kim Jong Un ihren Kummer in Stärke verwandeln wird."

Besonders warmherzig betrauerte die englischsprachige China Daily den Tod des nordkoreanischen Machthabers unter dem Titel "Abschied eines Freundes". Derweil legte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums nahe, der neue Machthaber könnte schon bald nach China reisen: "Wir würden Nordkoreas Führer in China willkommen heißen, wenn es ihnen beliebt."

Die Reaktion der Pekinger Politiker konnte aber nicht verbergen, dass sie sich große Sorgen über die Lage beim Nachbarn machen. Wird die Armee wirklich den Junior stützen, so wie Nordkoreas Generäle derzeit noch beteuern? Wird in der Führung ein Streit über notwendige wirtschaftliche Reformen ausbrechen? Auch die engsten Verbündeten wissen wenig über die Interna in Pjöngjang.

Nicaraguas Regierung hat den Tod Kim Jong Ils zutiefst bedauert und sich für die Fortsetzung seiner Politik ausgesprochen. "Wir beten für die Kontinuität des Prozesses, den das nordkoreanische Volk erlebt", erklärte Regierungssprecherin und Präsidentengattin Rosario Murillo im Namen von Staatschef Daniel Ortega am Montag. Dieser Prozess sei gekennzeichnet durch "den Aufbau von mehr Frieden und mehr Wohlstand für alle Familien" Nordkoreas. Ortega pflegte schon in den 80er Jahren Kontakte zu Kims Vater Kim Il Sung. Nicaragua hat auch Beziehungen zu Südkorea. In Kuba ordnete die sozialistische Führung wegen Kims Tod drei Tage Staatstrauer an. (dpa)

Schluchzende Menschen sagen nichts über Kim

Die Szenen schluchzender Menschen sagen nichts darüber aus, wie populär Kim Jong Il wirklich war. In Gesprächen mit Nordkoreanern in den letzten Jahren wurde deutlich, dass er zwar gefürchtet, aber weniger beliebt war als sein Vater Kim Il Sung, der die Herrscherdynastie nach dem Zweiten Weltkrieg begründet hatte.

Das alles ist Chinesen, die sich an die Zeiten des Maokults erinnern können, wohlvertraut. Als Mao Zedong 1976 starb, dauerte es nur vier Wochen bis zum parteiinternen Putsch, der den Weg zu Reformen bahnte.

In China verlief der Machtwechsel unblutig. Ob das auch in Nordkorea möglich ist, bleibt unklar. "Wir sind sehr beunruhigt", sagte ein chinesischer Diplomat. Südkorea versetzte bereits am Montag sein Militär in Alarmbereitschaft.

Auch ohne Unruhen in Nordkorea ist die Lage in Nordostasien gespannt: Alle Staaten am Westpazifik rüsten derzeit auf. Chinas wachsende wirtschaftliche Stärke mündet im Bau von immer mehr Flugzeugträgern, U-Booten und Raketen. Ein instabiles Nordkorea würde dazu führen, dass sich die USA noch stärker in der Region engagieren. Sie träfen auf die neue selbstbewusste Militärmacht China.

US-Präsident Barack Obama versicherte Japans Regierungschef Yoshihiko Noda jetzt in einem Telefonat Unterstützung. Obama habe die Entschlossenheit der USA betont, "unsere engen Verbündeten, einschließlich Japan, zu verteidigen", erklärte das Weiße Haus. Die USA haben in Südkorea und im japanischen Okinawa große Militärstützpunkte.

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