Nach Verkauf von "Berliner Zeitung": Puuuh, geschafft!

Noch ist der Berliner Verlag nicht beim neuen Eigentümer angekommen. Doch die Stimmung ist gelöst. Und dem "Tagesspiegel" geht die Düse.

"Für Euphorie besteht kein Anlass": Gebäude des Berliner Verlages. Bild: dpa

Man kann Josef Depenbrock einiges vorwerfen, aber Humor hat der Mann eben auch: "Kölsch und Kabänes" hieß es in der Betreffzeile der E-Mail, mit der der Noch-Geschäftsführer des Berliner Verlags und Berliner-Zeitungs-Chefredakteur die Belegschaft am Dienstag vom Verkauf des Ladens an die Kölner DuMont-Zeitungsgruppe informierte. "Die Übernahme aller Geschäftsaktivitäten der Mecom-Gruppe in Deutschland erfolgt praktisch zum Quartalswechsel - bis dahin sind wir also in der jetzigen Konstellation tätig, allerdings schon unter Berücksichtigung der Interessen unseres neuen Eigentümers", schreibt Depenbrock.

Doch auch gestern fanden sich kein halver Hahn ohne Knoche oder gar Flöns auf der Speisekarte der Berliner Verlags-Kantine, stattdessen gabs Szegediner Gulasch. Die Stimmung im Haus sei dennoch gelöst, sagen Mitarbeiter, allerdings herrsche eher Business as usual. "Depenbrock schleicht über die Gänge", wirke aber keinesfalls unglücklich, heißt es in der Redaktion - er hat seine Schäfchen ja auch finanziell längst im Trockenen. Selbst zu sprechen war Depenbrock natürlich wie immer nicht, er gab nur ein kurzes TV-Interview: "Es ist in jedem Fall gut, wenn ein großes Verlagshaus in Berlin investiert", sagte er da.

Der Redaktionsausschuss will nun sehen, was der heiß ersehnte neue "richtige Verleger" mit der Berliner Zeitung plant, und hat DuMont-Oberhaupt Alfred Neven DuMont nach Berlin eingeladen. Dann soll es auch um das Redaktionsstatut des Blattes gehen, das wegen des Verkaufs jetzt gekündigt werden könnte. Im weiten Reich des Verlags DuMont-Schauberg (Kölner Stadtanzeiger, Express, Frankfurter Rundschau, Mitteldeutsche Zeitung) sind solche Statuten eher unüblich.

Die ganz große Begeisterung über den Deal ist aber weder in Berlin noch in Frankfurt zu spüren: "Für Euphorie besteht kein Anlass", sagt ein Redakteur in der Hauptstadt, "man kann sich darüber freuen, was hinter uns liegt." Der angekündigten, aber noch reichlich unkonkreten geplanten Zusammenarbeit mit der FR sehen die Berliner gelassen entgegen: "Wir kennen da ja einige aus der Redaktion, weil sie früher bei uns gearbeitet haben."

Allen voran in Berlin bekannt ist FR-Chefredakteur Uwe Vorkötter, der bis zur Übernahme des Berliner Verlags durch den britischen Finanzinvestor David Montgomery vor drei Jahren Chefredakteur in Berlin war. Vorkötter schweigt zu allen Synergie-Plänen so eisern wie das ganze Haus DuMont, das sich bis zum endgültigen Abschluss des Verkaufsprozesses inklusive notwendigem Kartellverfahren einen Maulkorb auferlegt hat.

Ein drittes Zeitungshaus hat dagegen schon jetzt mächtig Muffe: Der Berliner Tagesspiegel, dessen Mutterkonzern Holtzbrinck seinerzeit die Berliner Zeitung an Montgomerys Mecom verkauft hatte, kidnappte gestern seine Medienseite für eine peinliche Ansage in eigener Sache: "Fester Stand - Der Tagesspiegel behauptet sich als meinungsführende Tageszeitung Berlins", röhrte es da über mehrere Spalten. Das Blatt rühmte sich völlig ironiefrei der höchsten Reichweite unter "rund 2.000 registrierten Lobbyisten" in der Hauptstadt und zitiert ungeniert das Wichtigtuer-Ranking der umstrittenen Zitatesammler von Media Tenor. Ergo muss man hier richtig Angst vor dem neuen-alten Konkurrenten vom Alexanderplatz haben.

Das letzte Wort aber gebührt dem Chefredakteur: "Neven-DuMont ist ein Traditionshaus und eines der stärksten in Deutschland", sagte Depenbrock in der "Kulturzeit" auf 3sat: "Das tut den Lesern gut, das tut der Zeitung gut und den Arbeitsplätzen hier in Berlin." Will der Mann am Ende etwa bleiben?

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