Mellowpark: Halfpipe in den Untergang

Der Mellowpark in Köpenick steht wohl endgültig vor dem Aus: Das vom Bezirk angebotene Ausweichgrundstück gehört dem Liegenschaftsfonds - und wurde offenbar bereits verkauft

Der Mellowpark steht vor dem Untergang Bild: AP

Wer einmal mit dem Schiff die Spree Richtung Müggelsee hinuntergeschippert ist, kennt sie, die verfallenen Backsteinruinen des ehemaligen Fotochemischen Werks an der Friedrichshagener Straße in Köpenick. Seit 2001 ist die Brache von den Machern des Vereins all eins e.V. durch Halfpipes, BMX-Pisten, Beachvolleyball- und Basketballplätze wiederbelebt worden. Im Sommer allerdings flatterte die Kündigung zum Jahresende ins Haus: Das Gelände nebenan wurde verkauft, der Investor will die Fabrikruinen in schicke Lofts und exklusive Townhouses verwandeln. Das Jugendprojekt nebenan würde da nur stören. Die Bezirksverordnetenversammlung entschied daraufhin, dem Mellowpark-Verein verschiedene Ausweichgrundstücke anzubieten. Favorit war dabei das Paul-Zobel-Stadion an der Wuhlheide. Jetzt allerdings stellt sich heraus: Dieses Ausweichgelände gehört dem Bezirk gar nicht, sondern dem Liegenschaftsfonds. Es wurde außerdem bereits verkauft - und soll ebenfalls bebaut werden.

Für den Mellowpark sieht es damit düster aus: "Das würde für uns das Aus bedeuten", sagt Jens Werner, Geschäftsführer des Mellowpark-Betreibers all eins e. V. "Das Paul-Zobel-Stadion wäre das einzig geeignete Gelände gewesen. Alle anderen Ausweichvorschläge kommen für unser Projekt nicht in Frage." Werner ist besonders über das Hin und Her seitens der Politik empört. "Erst hieß es von Bezirksseite, wir könnten das Grundstück erhalten, dann wieder wurde uns gesagt, es gehöre dem Bezirk gar nicht, sondern dem landeseigenen Liegenschaftsfonds." Schließlich habe jedoch eine Anfrage der BVV-Fraktionen ergeben, dass Letzteres doch nicht der Fall sei - "und wir bekamen grünes Licht für unser neues Gelände", so Werner.

Erst vor einigen Tagen kam nun raus: Das Gelände gehört doch dem Land, wird also vom Liegenschaftsfonds verwaltet - und der hat die Brache bereits weiterverkauft, an einen Investor, der auch hier Wohnblöcke errichten will. Das überraschte selbst die Bezirksstadträte. Die Verkaufsverhandlungen seien schon weit fortgeschritten, ein Zurück sei kaum noch möglich, heißt es nach Informationen der Initiative "Wir retten den Mellowpark". Weder von Senats- noch von Bezirksseite war bis Redaktionsschluss eine Stellungnahme zu bekommen.

Der Mellowpark hat nun noch eine Chance: Das Gelände des Parks ist eigentlich als Sportfläche deklariert. Und bevor dort Wohnhäuser gebaut werden können, muss es durch den Sportausschuss des Abgeordnetenhauses umgewidmet werden. Diese Entscheidung steht laut den Betreibern des Mellowparks allerdings noch aus. "Das Gelände wurde einfach verkauft, ohne die Abgeordneten zu befragen", sagt Jens Werner.

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